Zukünftige Veranstaltungen

So. 22. April 2018, 15 Uhr: Gerd Adloff und Elisabeth Wesuls

Am Sonntag, dem 22. April 2018 um 15 Uhr lesen Gerd Adloff und Elisabeth Wesuls im Lyrikhaus. Der Eintritt beträgt 10 Euro. Es gibt Kaffee und Kuchen.

Gerd Adloff

Gerd Adloff, geb. 1952 in Berlin. Nach Abitur und Armeezeit Rotationsarbeiter, Buchhändler und dann Packer in einer Druckerei. 1976 bis 1981 Studium der Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1981 bis 1992 Mitarbeiter am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1992 bis 1999 Mitarbeit im Literaturverein „Orplid“, zeitweilig Lektor der Lyrikheftreihe „Poet’s Corner“.

Seit 1993 intensive Beschäftigung mit Fotografie. Seit 2007 wieder intensive Arbeit an Gedichten. Veröffentlichungen: „Fortgang“ (Gedichte, 1985); „Versensporn 4“ (39 Gedichte, 2011); „Wir erwarten die Zukunft in Kürze“ (12 Gedichte, 2012); „Zwischen Geschichte und September“ (Corvinus Presse, 2015); „Alles Glück dieser Erde“ (Corvinus Presse, 2017)

Geschichte
(Leseprobe aus: Zwischen Geschichte und September, Gedichte, 2015, Corvinus Presse).

Als Gagarin in den Weltraum flog
hatte ich meinen Turnbeutel vergessen.

Als sie die Mauer bauten
war ich im Ferienlager
und verlor meinen linken Schuh
in einer sumpfigen Wiese.

Als man Kennedy erschoss
verprügelte mich ein Mädchen
und ich wusste nicht
wie ich mich wehren sollte.

Als die Panzer nach Prag rollten, 68,
war ich über alle vier Ohren unglücklich verliebt
und hörte nichts.

Als die Mauer fiel
lag ich mit geschwollenem Hoden
fiebernd im Bett
und verschlief.

Also fragt mich nur nach früher.
Ich erinnere mich gut.
Zum Beispiel daran
was für ein beschissenes Gefühl das war
wieder mal ohne Sportzeug dazustehn.

Elisabeth Wesuls

Elisabeth Wesuls wird neue, bisher unveröffentlichte Texte lesen. Sie lebt und arbeitet als Autorin und Heilpraktikerin in Berlin. Sie ist mit Gerd Adloff verheiratet. 1985 erschien im Verlag Neues Leben das Poesiealbum 216. Veröffentlichungen u.a. in Lyrik der DDR, Hrsg. Heinz Ludwig Arnold und Hermann Korte; Vogelbühne, Hrsg. Dorothea von Törne; Die Wärme die Kälte des Körpers des Andern, Hrsg. Kurt Drawert und Ein Molotow-Cocktail auf fremder Bettkante, Hrsg. Peter Geist

NICHTS BLEIBT, WIE ES IST

Mein Vater steht an meiner Schwester
Gartentür, wie ein Bettler, sagt er
den Tränen nahe – dass
er anderen zur Last fallen muss.


Dann dieser Junge: Erhängt.
Sich selbst. Kein Platz
für ihn unterm Neonlicht
des Scheitel ziehenden Arbeitsmarkts.


Ich darf mir
was schenken lassen.
Aber wie denn.

Sa. 23. Juni 2018, 19 Uhr: „Wir, die Apfelbäume“ von und mit Bela Chekurishvili (Georgien), deutsche Nachdichtungen gelesen von Norbert Hummelt

Bela Chekurishvili
Bela Chekurishvili

Bela Chekurishvili (ბელა ჩეკურიშვილი), geboren 1974 in Vachnadzeani (Gurjaani), Georgien, hat georgische Sprache und Literatur an der Universität Tbilisi studiert. Sie arbeitete als Kulturjournalistin und Lehrerin, zeitweise war sie eine begeisterte Alpinistin. Sie ist Doktorandin für Komparatistik an der Universität Tbilisi, zur Zeit studiert sie an der Universität Bonn. Einschließlich ihres Debüts Oder… oder im Jahr 1998 hat Bela Chekurishvili vier Lyrikbände auf Georgisch veröffentlicht, zuletzt Detektor der Nacktheit (Intelekti Tbilisi, 2017). Ebenfalls auf Georgisch erschien eine Kurzgeschichten-Sammlung mit dem Titel Rheinische Aufzeichnungen (Intelekti Tbilisi, 2016). In deutscher Übertragung wurden vier ihrer Texte zuerst 2015 in der Anthologie Aus der Ferne. Neue Georgische Lyrik der Berliner Corvinus Presse veröffentlicht (Nachdichtung Norbert Hummelt). Im Jahr darauf erschien im Verlag Das Wunderhorn unter dem Titel Wir, die Apfelbäume eine Sammlung ihrer Gedichte auf Deutsch, ebenfalls in Übertragungen von Norbert Hummelt.
Die 1974 geborene Dichterin und Kulturjournalistin gehört zur »Wende«-Generation in der georgischen Literatur – aufgewachsen unter dem Sowjetstern und dann hineingestellt in die plötzliche Freiheit eines Landes, das ganz neu war und zugleich ganz alt. Alt wie die Apfelbäume und der Wein. Ihre Gedichte sind getragen von einem Aufbegehren gegen die reiche Formtradition der georgischen Dichtung und doch zugleich von ihr gespeist. Aber ob sie nun zum prosanahen, skeptischen Blocksatz tendieren oder im Urvertrauen auf den Reim zu tanzen beginnen – immer sind diese Gedichte elektrisch geladen.

Der Kreis

Dort oben, wo man alles weiß
und uns die Hausnummer zuweist,
den Wohnort und den Breitengrad,
die rechte Farbe unserer Haare,
die Hüft-, die Taillen- und die Körbchengröße
und die Studiengebühren;
dort oben, wo das alles vorbestimmt und eingezeichnet wird,
dort weiß man auch, wann uns der Vater einen Welpen bringt
und wann das kleine Tier vor unsern Augen
von einem Lastkraftwagen überfahren wird.
Man weiß dort auch, in welcher Nacht
wir durch das Fenster auf die Straße springen
und unsern Freunden folgen werden,
selbst wenn uns danach keine Heimkehr bleibt.
Man weiß, wann wir auf nassen Schienen rutschen,
wann wir am Rande eines Daches stehen
und den Regenschirm aufklappen;
Dort oben, irgendwo, weiß man Bescheid
kennt unsern Namen, und Wort für Wort auch den gebrochenen Eid
das Datum eines Faustschlags, und wann die Ehe auseinanderging,
und auch die Witwenschaft der Mütter ist dort aufgezeichnet
und wie man Brot erwarb für einen goldenen Ring.
Dort oben, irgendwo,
hat man beschlossen, dass keine Tür mit einem Ruck aufgeht
und dass wir besser durch die Spalten kriechen,
dort oben, wo man auf die Kriege in unsern Ländern blickt
und sie wie aufgereihte Szenen eines Films betrachtet,
die Kriege, die uns die Brüder und Geliebten nehmen,
und unsern Kindern wies man eine Kindheit zu
in kalten Häusern und mit wenig Blut.
Dort oben weiß man nun wahrscheinlich auch,
dass ich nicht meine Arme breite, um ein Kruzifix
zu zeichnen, sondern dich ergriffen habe,
um mit dir einen größeren Kreis zu ziehen
und zu schreien: hier stehen Wir!

Nachdichtung von Norbert Hummelt

Norbert HummeltNorbert Hummelt, geboren 1962 in Neuss am Rhein, wuchs dort auf. Zwischen 1983 und 1990 studierte er Anglistik und Germanistik in Köln und schloß dieses Studium mit dem 1. Staatsexamen ab. Erste literarische Texte entstanden seit 1984, erste Gedichte seit 1986. Seit 1984 journalistische Tätigkeiten für verschiedene Zeitungen und Rundfunkanstalten. Er leitete von 1988 bis 1992 die Autorenwerkstatt der Universität Köln. Seit 1991 freier Schriftsteller. 1993 erschien der erste Gedichtband „knackige codes“ im Druckhaus Galrev, Berlin. Seit Ende der 90er Jahre sind zudem zahlreiche Essays und Features zur Literaturgeschichte und Poetik entstanden, außerdem Übersetzungen, vorwiegend aus dem Englischen. Er gab u.a. die Werke von W.B. Yeats heraus und übertrug T.S. Eliots Gedichtzyklen „The Waste Land“ und „Four Quartets“ neu ins Deutsche. Sein Werk erscheint seit 2001 im Luchterhand Literaturverlag. Seit 2002 unterrichtete er wiederholt als Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Nach langen Jahren in Köln und Umgebung zog er 2006 nach Berlin.

Sa. 25. August 2018, 19 Uhr: „waschplatz der kühlen dinge“. Kathrin Schmidt liest aus ihrem neuen Gedichtband

Am 25. August 2018 um 19 Uhr kommt Kathrin Schmidt mit ihrem neuen Gedichtband waschplatz der kühlen dinge ins Lyrikhaus. Der Eintritt beträgt 10 Euro.

Kathrin SchmidtKathrin Schmidt wurde 1958 im thüringischen Gotha geboren und studierte 1976-81 Psychologie in Jena. Nach zweijähriger Tätigkeit als wissenschaftliche Assistentin in Leipzig arbeitete sie bis zur Wende als Kinderpsychologin in Berlin. 1986/1987 absolvierte sie ein Sonderstudium am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig. Nach der Wende arbeitete sie am Runden Tisch in Ost-Berlin mit. 1990/1991 war sie Redakteurin der feministischen Frauenzeitschrift Ypsilon und arbeitete bis 1993 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Berliner Institut für Vergleichende Sozialforschung. Seit 1994 ist sie freiberufliche Autorin. Sie ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Kathrin Schmidt hat fünf Kinder und lebt in Berlin-Mahlsdorf.

Erste Veröffentlichung 1982 mit Poesiealbum 179, 1987 erster Gedichtband Ein Engel fliegt durch die Tapetenfabrik. Zahlreiche weitere Gedichtbände, Romane und Erzählungen. Bislang größter literarischer Erfolg war der autobiographisch gefärbte Roman Du stirbst nicht, in dem die Autorin die Krankheits- und Genesungsgeschichte der Schriftstellerin Helene schildert, die nach einem geplatzten Aneurysma im Hirn mit der fehlenden Kontrolle über ihren Körper konfrontiert wird und die Sprache neu erlernen muss. Das Buch wurde 2009 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Weitere Ehrungen u.a. Leonce-und-Lena-Preis der Stadt Darmstadt (1993), Lyrikpreis Meran (1994), Deutscher Kritikerpreis (2001), Droste-Preis der Stadt Meersburg (2003), Stipendium Villa Massimo, Rom (2010) und Novi Sad International Literature Award for Poetry (2011).

So. 23. September 2018, 15 Uhr: Frank Viehweg HERBSTESKOMMEN. Lieder nach Herbstgedichten von Louis Fürnberg

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Foto: Gabriele Senft

„Er ist in Mähren geboren und in Böhmen aufgewachsen, genau wie mein Vater“, sagt Dichtersänger Frank Viehweg, „vielleicht hat mir das die wiederholte Begegnung mit den Versen Louis Fürnbergs leicht gemacht. Der Dichter aber gehörte zur Generation meines Großvaters.“ Fürnberg kam 1909 in Iglau zur Welt und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Karlsbad.

Sein 1937 geschriebenes Gedicht Du hast ja ein Ziel vor den Augen avancierte in der DDR zu einem legendären FDJ-Lied.

1976 landeten die Puhdys einen Hit, in dem es heißt:  Alt wie ein Baum möchte ich werden, genau wie der Dichter es beschreibt. Kaum einer wußte, kaum einer weiß es heute: Der erwähnte Dichter ist Louis Fürnberg. Heute ist er vergessen, sein Werk versunken.

Sein Name findet nur manchmal noch Erwähnung als Autor des „Liedes der Partei“: Die Partei, die Partei, die hat immer recht / Und Genossen, es bleibe dabei / Denn wer kämpft für das Recht, der hat immer recht, gegen Lüge und Ausbeuterei …
2001 schrieb der Literaturwissenschaftler Hans Mayer, mit Bezug auf das Lied: Ein Gedicht aus der Feder des liebenswerten Louis Fürnberg aus Böhmen, eines Juden, der ein begabter Dichter war und ein demokratischer Sozialist, der immer wieder versuchte, wider seine bessere Überzeugung, aus sich einen orthodoxen Stalinisten zu machen. Ohne Erfolg. Christa Wolf schreibt in ihrem Buch Stadt der Engel, daß Fürnberg das Lied von der Partei im Jahre 1949 nicht als eine Lobeshymne, wie es später in der DDR Verwendung fand, geschrieben hatte, sondern als eine Art Selbstdisziplinierung. Seiner Frau Lotte sagte er: Dieses Lied wird mir noch einmal sehr schaden.

Das Werk des Dichters aber ist viel größer. Siebzehn Gedichte aus dem umfangreichen Werk Louis Fürnbergs hat Frank Viehweg in Töne gesetzt. Das Thema Herbst für den Liederzyklus, als Jahreszeit und Herbst des Lebens, hat sich dabei von selbst ergeben. Nachdem die Vertonungen abgeschlossen waren, las Viehweg in den Erinnerungen von Fürnbergs Frau Lotte: Immer hat Fürnberg die Herbste beschrieben, die wir erlebt haben, denn er hat diese Jahreszeit ganz besonders geliebt.

1954, in einer Zeit antisemitischer Tendenzen nach den Slánský-Prozessen, siedelten die Fürnbergs von Prag nach Weimar über. Dem Dichter blieben nur noch drei Jahre. Er starb, 48jährig, nach einem Herzinfarkt. An seinem Todestag schrieb Fürnberg an den jungen Dichter Rainer Kirsch: … daß das Leben viel komplizierter ist als ein Gedicht. Daß aber Gedichte zum Leben gehören, weil man ohne Schönheit, ohne Tiefe und ohne die Weisheit der Gedichte nicht leben kann.

So. 21. Oktober 2018, 15 Uhr: „Selbstporträt mit Bienenschwarm und neue Gedichte“. Lesung mit Jan Wagner, Büchnerpreisträger 2017

Jan WagnerAm Sonntag, dem 21. Oktober 2018 um 15 Uhr liest Jan Wagner im Lyrikhaus. Der Eintritt beträgt 10 Euro.

Jan Wagner wurde im Oktober 1971 in Hamburg geboren und wuchs nördlich davon, in der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Ahrensburg, auf. Nach dem Schulabschluß begann er ein Studium der Anglistik – zunächst an der Hamburger Universität, dann ein Jahr lang am Trinity College in Dublin, bevor er 1995 nach Berlin zog, wo er seither lebt. Parallel zum Studium (das er an der Humboldt Universität fortsetzte und schließlich mit einer Magisterarbeit über die jüngste Generation angloirischer Lyriker abschloß) widmete er sich verstärkt der Arbeit an der internationalen Literaturschachtel „Die Aussenseite des Elementes“, die er ab 1995 gemeinsam mit Thomas Girst und einem wechselnden Redaktionsteam herausgab, bis das Projekt 2003 aus finanziellen Gründen nach elf Ausgaben eingestellt werden mußte. Die „Aussenseite des Elementes“ war eine zweimal im Jahr zum Selbstkostenpreis erscheinende, nach dem Vorbild Marcel Duchamps in einer Schachtel präsentierte und im Offsetdruck erstellte Loseblattsammlung, die den Leser einlud, seine eigene Reihenfolge zu komponieren, die Sammlung nach persönlichen Vorlieben und Antipathien zu ordnen.

2001 erschien sein erster Gedichtband „Probebohrung im Himmel“. Es folgten „Guerickes Sperling“ (2004), „Achtzehn Pasteten“ (2007), „Australien“ (2010), Die Eulenhasser in den Hallenhäusern (2012) sowie der Essayband „Die Sandale des Propheten“ (2011). Zuletzt erschien der Sammelband Selbstporträt mit Bienenschwarm (2016). Die Liste seiner Ehrungen ist lang, unter vielen anderen erhielt er den Christine-Lavant-Publikumspreis (2003),  den Ernst-Meister-Preis für Lyrik (2005), den Wilhelm-Lehmann-Preis (2009), den Friedrich-Hölderlin-Preis der Universität und der Universitätsstadt Tübingen (2011), den Kranichsteiner Literaturpreis  (2011) und den  Paul Scheerbart-Preis (2013). Für seinen Gedichtband Regentonnenvariationen gewann er 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse, 2017 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Neben seiner dichterischen Tätigkeit arbeitet Jan Wagner als Lyrikübersetzer, Literaturkritiker und Herausgeber. Seine Gedichte wurden in dreißig Sprachen übersetzt. Er ist Mitglied im P.E.N.-Zentrum Deutschland, in der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste sowie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.

giersch

nicht zu unterschätzen: der giersch
mit dem begehren schon im namen – darum
die blüten, die so schwebend weiß sind, keusch
wie ein tyrannentraum.
kehrt stets zurück wie eine alte schuld,
schickt seine kassiber
durchs dunkel unterm rasen, unterm feld,
bis irgendwo erneut ein weißes widerstandsnest
emporschießt. hinter der garage,
beim knirschenden kies, der kirsche: giersch
als schäumen, als gischt, der ohne ein geräusch
geschieht, bis hoch zum giebel kriecht, bis giersch
schier überall sprießt, im ganzen garten giersch
sich über giersch schiebt, ihn verschlingt mit nichts als giersch.

Sa. 24. November 2018, 19 Uhr: Gerhard Henschel: Brautkleid bleibt Krautrock

Gerhard HenschelAm Samstag, dem 24. November um 19 Uhr kommt Gerhard Henschel nach Joachimsthal. Wiewohl er vor allem als Romanautor und Satiriker bekannt ist, gibt es von ihm sowohl Gedichte als auch Texte, die Lyrisches enthalten oder sich mit Lyrischem beschäftigen. Daraus wird er unter dem Titel Brautkleid bleibt Krautrock im Lyrikhaus lesen. Unter anderem wird er sein philologisches Sammelsurium von Sprachexzessen präsentieren, die 2017 unter dem Titel „Zungenbrecher“ erschienen sind („Brautkleid bleibt Krautrock“ war dem Verlag zu kompliziert). Da es sich um eine Abendveranstaltung handelt, gibt es zwar Kaffee aber keinen Kuchen. Ersatzweise kann man sich mit Rotwein, Knabberzeug und Schnittchen über Wasser halten. Der Eintritt beträgt 10 Euro.

Gerhard Henschel wurde 1962 in Hannover geboren. Seine ersten Texte erschienen Ende der achtziger Jahre in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften, u.a. Der Alltag und Titanic. Von 1993 bis 1995 gehörte er der Titanic-Redaktion an. Seit 1992 ist Henschel mit Romanen, Erzählungen und kulturhistorischen Sachbüchern an die Öffentlichkeit getreten, aber auch mit Satiren, Polemiken und Grotesken. Seine Romane stehen in der Tradition der Deutschen Chronik von Walter Kempowski. Einige seiner Satiren und Grotesken verfasste er gemeinsam mit Autoren der Neuen Frankfurter Schule. Henschel wandte sich wiederholt mit Satiren gegen die notorischen Persönlichkeitsrechtsverletzungen der BILD-Zeitung, analysierte in seinen Sachbüchern antisemitische Stereotypen und übersetzte gemeinsam mit Kathrin Passig den ersten Band der Autobiographie von Bob Dylan.

Auszeichnungen: Hannelore-Greve-Literaturpreis (2012), Nicolas-Born-Preis (2013), Georg-K.-Glaser-Preis (2015), Ben-Witter-Preis (2017) – zusammen mit Gerhard Kromschröder, für ihr Buch Landvermessung. Durch die Lüneburger Heide von Arno Schmidt zu Walter Kempowski