Zukünftige Veranstaltungen

So. 17. März 2019, 15 Uhr: Brigitte Struzyk

Brigitte StruzykAm 17. März 2019 um 15 Uhr liest Brigitte Struzyk im Lyrikhaus. Eintritt 10 Euro.

Brigitte Struzyk lebt schon lange mit der Poesie, die sie für das Lebensmittel hält.

Sie studierte Theaterwissenschaft an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig und arbeitete als Dramaturgin und Regieassistentin am Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz und Zittau.

Von 1970 bis 1982 war sie Lektorin im Aufbau-Verlag, anfangs in Weimar und ab 1976 in Ost-Berlin, wo sie im Prenzlauer Berg lebte und mit befreundeten Autorinnen des gleichen Jahrgangs die Gruppe 46 bildete, die bis 1979 bestand. Von 1982 bis 1990 war sie freie Schriftstellerin. Von 1990 bis 1998 machte sie die Öffentlichkeitsarbeit des Baudezernats von Berlin-Pankow. Seit 1998 ist sie wieder freie Schriftstellerin.

Seit 1991 ist sie Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland. 1991 erhielt sie den Lion-Feuchtwanger-Preis, 1992 eine Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung, 2001 ein Stipendium des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia, 2003 ein Stipendium des Künstlerhauses Edenkoben. 2004 war sie Stadtschreiberin zu Rheinsberg.

1978 Debüt mit Poesiealbum 134. 1984 erster Gedichtband, Leben auf der Kippe. 1988 Porträt von Caroline Schlegel-Schelling mit dem Titel  Caroline unterm Freiheitsbaum. Weitere Gedichtbände (u.a. Der wild gewordene Tag 1989, Rittersporn 1995, Alles offen 2011) und Prosabücher (zuletzt Drachen über der Leninallee, 2012). Nachdichtungen, Herausgaben, Zeitungsbeiträge die Menge. Ihr letzter Gedichtband, Beinander, erschien 2014 im Kottnik Verlag, Hamburg.

Die Gedichte von Brigitte Struzyk sind Energiefelder, sie verfügen über den unbe­dingten Willen zur Gegen­wärtig­keit, haben keine Scheu vor aktuellen Bezügen. Hinzu kommt das kompo­sito­rische Geschick, auch disparate Dinge unan­gestrengt miteinander zu verknüpfen, überhaupt: Das mühe­lose Parlando ist eine der hervor­stechenden Quali­täten von Struzyk. Und nicht zu ver­gessen das Über­raschungs­moment. Hellmuth Opitz

in flagranti

komm, fass mich an – er macht die eine schulter frei
am ersten sonnentag im hain. ich lege meine hand dorthin
wo er sie haben wollte, liegt sie nun. er stöhnt.
wir haben uns noch nie zuvor gesehn, geschweige denn berührt.
er nennt mich weiße hexe.
da lachen wir und gehen ein jedes wieder seiner wege.
es ist der frühling,  ja, es fehlten ihm zwei zähne

Sa. 27. April 2019, 19 Uhr: Sebastian Kleinschmidt, Spiegelungen

Sebastian Kleinschmidt

Bildende Kunst, Theologie und Literatur sind die geistigen Räume, die Sebastian Kleinschmidt in einprägsamen Portraits, gedankenreichen Betrachtungen, subtilen Assoziationen durchschreitet. Die Landschaft der Namen, die sich vor dem Leser auftut, erstreckt sich u.a. von Ernst Jünger und Botho Strauß über Viktor von Weizsäcker, Bertrand Russell, Gerhard Marcks, Thomas Hürlimann, Christian Lehnert, Laszló Földényi, Adam Zagajewski, Czesław Miłosz, Wisława Szymborska, Wolfgang Hilbig und Angela Krauß bis zu Friedrich Hölderlin und Bertolt Brecht. Abgerundet wird der Band durch Gespräche, die Kleinschmidts Biografie und philosophische Selbstfindung beleuchten. Spiegelungen erschien 2018 bei Matthes & Seitz, Berlin.

Sebastian Kleinschmidt, geb. 16. Mai 1948 in Schwerin, schloss 1966 eine Berufsausbildung mit Abitur als Elektrosignalschlosser ab. Danach diente er vier Jahre als Funker bei der Volksmarine. Von 1970 bis 1972 studierte er Geschichte an der Karl-Marx-Universität Leipzig, danach bis 1974 Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Anschließend absolvierte er bis 1978 ein Forschungsstudium der Ästhetik, das er mit der Promotion abschloss. Kleinschmidt gehörte von 1974 bis 1977 mit Wolfgang Templin und Klaus Wolfram einem konspirativen oppositionellen Zirkel an, der durch das Ministerium für Staatssicherheit aufgelöst wurde. Von 1978 bis 1983 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR, von 1984 bis 1987 Mitarbeiter der Akademie der Künste der DDR. Kleinschmidt trat 1984 in die Redaktion der Kulturzeitschrift Sinn und Form ein. 1988 wurde er stellvertretender Chefredakteur und übernahm 1991 die Leitung der Zeitschrift, die er bis 2013 innehatte. 1993 wurde er Mitglied des PEN-Zentrum Deutschland. Zahlreiche Schriften, darunter „Requiem für einen Hund. Ein Gespräch“ (mit Daniel Kehlmann). Herausgaben von Schriften von Walter Benjamin, Georg Lukács, Friedrich Dieckmann, Botho Strauß und Dieter Janz sowie mehrerer Bücher zur Brecht-Forschung.

Sa. 15. Juni 2019, 19 Uhr: Kathrin Schmidt und Sylvia Geist

Sa. 24. August 2019, 19 Uhr: Offene Lesebühne

Hugo Kunz (1884–1938): Porträt Ruth Schaumann
Hugo Kunz (1884–1938): Porträt Ruth Schaumann

Die offene Lesebühne 2019 steht im Gedenken an die Lyrikerin und Künstlerin Ruth Schaumann (1899-1975), deren Geburtstag sich an diesem Tag zum 120. Mal jährt. Alle Teilnehmer der Lesebühne sind aufgerufen, sich mit der Dichterin zu befassen. Es ist nicht Bedingung für die Teilnahme, etwas von ihr vorzutragen oder selbst etwas über sie zu schreiben. Schön wäre es aber. Gisbert Amm wird die Dichterin kurz vorstellen und einige ihrer Gedichte zu Gehör bringen.

Ansonsten sind wieder alle eingeladen, eigenes oder fremdes vorzutragen (ausschließlich Lyrik); jeweils maximal zehn Minuten. Der Eintritt ist frei.

Sa. 21. September 2019, 19 Uhr: Stefaan van den Bremt

Stefaan van den BremtAm 21. September 2019 um 19 Uhr liest im Lyrikhaus der flämische Dichter Stefaan van den Bremt. Vorgestellt wird er durch Richard Pietraß. Der Eintritt beträgt 10 Euro.

Stefaan van den Bremt (geb. 12.10.1941) debütierte 1968 mit neoklassizistischen Gedichten, die sich durch hohes soziales Engagement auszeichneten. Er wurde als der politische Dichter des niederländischen Sprachraumes der siebziger Jahre bekannt. Die Gedichte dieser Zeit beschäftigen sich mit sozialen Themen wie Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig schrieb er auch Theaterstücke und Lieder. In den Achtzigern wurde seine Lyrik persönlicher im Inhalt und klassischer in der Form. Van den Bremt schrieb nun anstelle politischer Agitationslyrik erotische Liebesgedichte. In den Neunzigern wurden Wortspiele in seinem Werk immer wichtiger. Seine Gedichte hatten nun öfters biographische Anekdoten zum Inhalt, die Grundfragen der menschlichen Existenz beleuchten.
Van den Bremt hat sich mit Übertragungen von Autoren wie Verhaeren, Maeterlinck, Brecht und Kafka und seinem Engagement für die Lateinamerikanische Literatur auch als Übersetzer einen Namen gemacht. Lateinamerikanische Dichter wie José Luis Sierra, Jaime Sabines und Joaquín Silva sind durch ihn im niederländischen Sprachraum bekannt geworden.
Preise (Auswahl): Flämischer Debütpreis (1968), L.P. Boon Preis (1980), Premio Internacional de Poesía Ciudad de Zacatecas (Mexico, 2007)

Selbstporträt

Ich, der ich von Redseligkeit den Nachgeschmack
geschmeckt habe, und sie ist unbeleckt
und pfeffert mir den Mund mit ihrem Schnack,
der beißend meine Zunge schreckt;

ich, der ich, wo es kribbelte, das Wort
gespürt habe als weißes Blatt
und schreibe so als würde ich seinen Mord
begehen, all das Weiße satt;

ich, der ich den Galopp von Hühnern ohne Kopf
gesehen habe, und wie alt war ich,
der ich das Herz, das stockend pocht,
gehört habe, so fürchterlich? –

Ich, der ich manches Buch und eine Blume
beschnuppert habe und verstumme.

Aus dem Niederländischen von Ard Posthuma

Weitere Gedichte von Stefaan van den Bremt bei lyrikline.org

So. 27. Oktober 2019, 15 Uhr: Vorstellung Edition Lyrikhaus Nr. 3, Ingolf Brökel: Der Dichtungsring in der Physik

So. 24. November 2019, 15 Uhr: Vorstellung des Sternenblick-Projekts von Stephanie Mattner

https://www.sternenblick.org/