2022

So. 16. Oktober 2022, 15 Uhr: Eberhard Häfner und Gisbert Amm

Am Sonntag, dem 16.10.2022 um 15 Uhr lesen Eberhard Häfner und der Hausherr Gisbert Amm unter dem Motto „Überirdische Beeren“. Der Eintritt beträgt 10 Euro. Es gibt Kaffee und Kuchen. Nach der Lesung schließt das Lyrikhaus.

Eberhard Häfner. Foto: Marlen Melzow
Eberhard Häfner. Foto: Marlen Melzow

Eberhard Häfner, geb. 1941 in Steinbach-Hallenberg (Thüringen), ausgebildeter Kupfer- und Silberschmied und Metallformgestalter. Restaurator romanischer, gotischer und barocker Altargeräte. Langjähriger Redakteur der bibliophilen Zeitschrift Herzattacke.

Unter anderem 3sat-Stipendium beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb (1989), Alfred Döblin Stipendium (1991), Stadtschreiber zu Rheinsberg (2003), Medienpreis der RAI Südtirol beim Lyrikpreis Meran (2018).

Zuletzt: Narkotische Gewässer. Gedichte, Verlagshaus Berlin 2016, Kinder der Sphinx. Ausgewählte Gedichte 1979-2019, Verlagshaus Berlin 2021

Die Trüffel vom Discounter

Vorwiegend fest, unverwechselbar
tief liegen die Knospen, keimende Herzen
nach dem Schälen ausstechen
die alraunenden Augen

unterirdische Knolle
mit Übergewicht, mangels Taille
der Rumpf ohne Trauben, doch Stärke
läßt ahnen, wie süß so ein molliges Ding

überirdische Beeren
am Ausläufer gelbschwarzgestreifte
Krautratten, bewaffnet bis an die Zähne
der Koloradokäfer

äußerlich, im fleckigen Panzer
die Speisekartoffel unter der Schale
viel kleiner, ein Lagerinsasse

Gisbert Amm, geb. 1965 in Eisfeld (Thüringen), studierter Theaterwissenschaftler und praktizierender Softwareentwickler. Betrieb von Mai 2016 bis Oktober 2022 das Lyrikhaus in Joachimsthal.

Zuletzt: Glückscode, Corvinus Presse, 2021, Das Fingerzeighaus, Bübül Verlag Berlin, 2022

So. 02. Oktober 2022, 15 Uhr: Jeder Vers ein Psalm –
Lesung mit Ruth Johanna Benrath, Yevgeniy Breyger und Uwe Kolbe

Am Sonntag, dem 02.10.2022 um 15 Uhr lesen gleich drei Dichter*innen unter dem Motto: „Jeder Vers ein Psalm“. Der Eintritt beträgt 10 Euro. Es gibt Kaffee und Kuchen.

Im September 2022 wurden 500 Jahre Bibelübersetzung gefeiert – ein Themenjahr, das auch literarische Aspekte hat und ein schöner Anlass ist, über Luthers Sprachkraft nachzudenken.

Aus diesem Anlass sollen dem Joachimsthaler Publikum die beiden Preisträger des Lyrikpreises München 2021 vorgestellt werden, dessen Thema lautete: „Luthers Beitrag zur Mündigkeit des
Menschen und das Krisenbewusstsein unserer Zeit“. Ergänzend soll Uwe Kolbe hinzugezogen werden, als Teilnehmer des „Wartburgexperiments“ 2021, das unter dem Motto stand „Zwiesprache mit der Lutherbibel“.
Drei Perspektiven – ostdeutsch/agnostisch
(Kolbe), westdeutsch/protestantisch (Benrath) und migrantisch/jüdisch (Breyger) – und drei ganz unterschiedliche
Schreibstile.

Die Veranstaltung wird aus Mitteln des Deutschen Literaturfonds im Rahmen des Programms „Neustart Kultur“ gefördert.

Ruth Johanna Benrath. Foto: Bernd Suchland
Ruth Johanna Benrath. Foto Ⓒ Bernd Suchland

Ruth Johanna Benrath geb. 1966 in Heidelberg, studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte und promovierte 2004 über das Selbstverständnis von Geschichtslehrkräften aus der DDR vor und nach 1989. Sie schreibt Romane, Dramen, Hörspiele und Gedichte. 2007 erschien im Lunardi Verlag, Berlin ihr Debüt Kehllaute. Ihre Texte wurden in Sinn und Form, Manuskripte und in der FAZ veröffentlicht. Zahlreiche Stipendien und Preise, darunter Martha-Saalfeld-Förderpreis 2009, H.C. Artmann-Stipendium 2011 und Lyrikpreis München 2021.

Yevgeniy Breyger. Foto Ⓒ Gabriela Cuzepan
Yevgeniy Breyger. Foto Ⓒ Gabriela Cuzepan

Yevgeniy Breyger, geb. 1989 in Charkiw, Sowjetunion, emigrierte im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland. Er studierte Kreatives Schreiben, Kulturjournalismus, Literarisches Schreiben und Curatorial Studies in Hildesheim, am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und in Frankfurt am Main. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien; 2014 und 2017 Herausgeber von Anthologien der Literaturinstitute. 2016 erschien bei kookbooks sein Debüt flüchtige monde, 2020 folgte im selben Verlag gestohlene luft und 2022 Kryptomagie im Berliner mikrotext-Verlag. Zahlreiche Preise, darunter Selma Meerbaum-Eisinger Literaturpreis 2011, Lyrikpreis München 2018 und 2021, Leonce-und-Lena-Preis 2019 und Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo, Casa Baldi 2022.

Uwe Kolbe. foto #gezett
Uwe Kolbe. foto #gezett

Uwe Kolbe, geb. 1957 in Ost-Berlin, machte 1980 mit seinem Debüt Hineingeboren und einem regimekritischen Akrostichon in einer Debütanten-Anthologie Furore und blieb bis zum Fall der Mauer und dem Ende der DDR ein kritischer und aufmüpfiger Dichter, der zeitweilig von der Staatssicherheit observiert wurde, bei der sein Vater verrückterweise arbeitete. Von 1983 bis 1987 gab er zusammen mit Bernd Wagner und Lothar Trolle die nichtoffizielle Literaturzeitschrift Mikado heraus. 1988 übersiedelte er aus der DDR nach Hamburg. Zahlreiche weitere Gedichtbände sowie Nachdichtungen, Essays, Erzählungen und Romane. Zahlreiche Preise, u.v.a. Nicolas-Born-Preis für Lyrik 1988, Villa-Massimo-Stipendium 1992, Heinrich-Mann-Preis und Lyrikpreis Meran 2012, Menantes-Preis für erotische Literatur 2014, Reiner-Kunze-Preis 2015 und Klopstock-Preis 2016.

So. 18. September 2022, 15 Uhr Sabine Schiffner und Şafak Sarıçiçek

Am Sonntag, dem 18.09.2022 lesen Sabine Schiffner und Şafak Sarıçiçek im Lyrikhaus. Der Eintritt beträgt 10 Euro. Es gibt Kaffee und Kuchen.

Die Veranstaltung wird aus Mitteln des Landkreises Barnim gefördert.

Sabine Schiffner
Sabine Schiffner. Foto: Stefan Winterstein

Sabine Schiffner, geboren 1965 in Bremen, studierte Theaterwissenschaften, Germanistik und pädagogische Psychologie in Köln. Sie war Mitglied des Schauspielensembles am Kölner Schauspielhaus, arbeitete als Regieassistentin und Regisseurin am Theater bei mehreren Fernsehsendern sowie als freie Lektorin und Übersetzerin für den Könemann Verlag. Sie dichtet georgische Lyrik nach und ist als Herausgeberin tätig.

Sie lebt in Köln und ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. Ihre Gedichte wurden in mehrere Sprachen übersetzt, u. a. ins Englische, Katalanische, Italienische und Litauische. Zuletzt erschienen die Gedichtbände super ach (Virgenes Verlag, 2018) und Wundern (Quintus Verlag, 2022).

Sabine Schiffner nahm 2005 am Ingeborg-Bachmann-Literaturwettbewerb teil. Im gleichen Jahr bekam sie für Ihr Prosadebüt den Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung. Für ihre Gedichte erhielt sie u.a. den Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz (2004).
2014 Eugen Viehof-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung.

Şafak Sarıçiçek. Foto: Christian Buck

Şafak Sarıçiçek, geboren 1992 in Istanbul, wo er an der Deutschen Schule Abitur machte, studierte Rechtswissenschaften in Heidelberg und Kopenhagen und ist Gründer des Literaturkreises echolot.heidelberg. Texte von ihm wurden u.a. ins Englische, Chinesische, Russische, Estnische sowie Italienische übersetzt.

Şafak Sarıçiçek erhielt zahlreiche Preise, u.a. 2021 den Preis der Heidelberger Autor:innen. Im gleichen Jahr war er Writer in Residence in Nanjing. 2022 bekam er das Übersetzungsstipendium TANDEM letterario der Heimann Stiftung Wiesloch und war Stipendiat des 25. Klagenfurter Literaturkurses im Rahmen des Ingeborg-Bachmann Preises.

Von ihm erschienen u.a. die Gedichtbände: Spurensuche (ELIF Verlag, 2017), Kometen Kometen (edition offenes feld, 2019) und Im Sandmoor ein Android (Quintus Verlag, 2021)

So. 15. Mai 2022, 15 Uhr: Sonja vom Brocke und Georg Leß

Musik: Periode (Berlin)

Sonja vom Brocke. Foto: Zoé Beausire
Sonja vom Brocke. Foto: Zoé Beausire

Sonja vom Brocke, geboren 1980 in Hagen, lebt als Autorin und Übersetzerin in Berlin. Studium der Philosophie, Germanistik und Anglistik u. a. in Köln und Paris. Publikationen (Auswahl): „Venice singt“ (kookbooks 2015), „Düngerkind“ (Verlag Peter Engstler 2018), „Mush“ (kookbooks 2020).

rege

rege zehrendes Ätz
der Teutonenonyx von vorn, so ein Wid(d)er-
schnittiger Teiler
zage Schmäh, ohne Schatz
sein Lavieren.
Was die Windelhippe erzürnt
dem Onyxteuton ein Ohrloch zu beißen

Georg Leß. Foto: Dirk Skiba
Georg Leß. Foto: Dirk Skiba

Georg Leß, geboren 1981 in Arnsberg, lebt in Berlin. Gedichtbände: „Schlachtgewicht“ (parasitenpresse 2013) und „die Hohlhandmusikalität“ (kookbooks 2019). Ausgewählte Gedichte wurden in verschiedene Sprachen übersetzt. Auszeichnungen: GWK-Förderpreis für Literatur, Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstlerinnen und Künstler.

der Fuchs am Südkreuz

ich schoss ja nur Bilder, schon ging er mir nach
seine Scheu, rötlich verwickelt in die Sommernacht
verwackelt, schief die Schilder, der Laternenpfahl


dieses kräftig durchblutete Nachbild, in Häuten die Stadt
wohin damit wo kein Rivale droht, zu Hause
wurde ich ihn los, wenn auch nicht satt, verkroch

sich vorm Blitz, tief im Unterholzwunsch, nur
ein Grollen blieb unter dem Schreibtisch zurück
in meiner Einkaufstüte wird das Fleisch nicht frischer

PERIODE ist eine 2016 gegründete Berliner Band, bestehend aus den Künstlern und Musikern Thomas Winkler und Andreas Reihse. Musikstil: Sci-Fi-Electro-Dance. Letzte Veröffentlichung im Weltschmerzverlag, London: Periode 1, 2, 3.

Sa. 12. März 2022, 19 Uhr: Kerstin Hensel, Cinderella räumt auf / Anton G. Leitner, Wadlbeissn

Kerstin Hensel / Anton G. Leitner

Am Samstag, dem 12. März 2022 kommen Kerstin Hensel (Berlin) und Anton G. Leitner (München) ins Lyrikhaus. Beginn 19 Uhr. Einlass ab 18 Uhr. Einritt 10 Euro. Es gelten die aktuellen Pandemieregeln.

Bitte erwerben Sie, wenn möglich, Tickets im Vorverkauf. Dabei wird auch die erforderliche Covid-19 Datenerhebung gemacht.

Kerstin Hensel, geboren am 29. Mai 1961 in Karl-Marx-Stadt, machte zunächst eine Ausbildung zu Krankenschwester und arbeitete danach als chirurgische Schwester. 1983, im gleichen Jahr, in dem ihr Sohn geboren wurde, begann sie ein Studium am Institut für Literatur in Leipzig, das sie 1985 beendete. In den Jahren 1985-1887 arbeite sie am Leipziger Theater. Seit 1987 ist sie freiberufliche Schriftstellerin. Seither hatte sie einen Lehrauftrag für Deutsche Verssprache und Versgeschichte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin und an der Filmhochschule Potsdam. Seit 2001 ist sie Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst Berlin. Zuvor hatte sie in den Jahren 2000-2001 eine Professur am Deutschen Literaturinstitut Leipzig inne.
Kerstin Hensel erhielt für ihre Werke zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Leonce-und-Lena-Preis (1991), das Stipendium der Villa Massimo (1995), den Ida-Dehmel-Literaturpreis (2004) und die Poetikdozentur an der Wilhelms-Universität Münster (2021/22).

Zuletzt erschienen: Schleuderfigur. Gedichte (2016), Regenbeins Farben. Novelle (2020) und Cinderella räumt auf. Gedichte (2021)

Anton G. Leitner, geboren am 16. Juni 1961 in München, studierte von 1982 bis 1988 Rechtswissenschaften und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität und absolvierte von 1990 bis 1993 das juristische Referendariat beim Oberlandesgericht München. 1992 gründete er den nach ihm benannten Verlag, der seitdem u.a. bis heute die Jahresschrift DAS GEDICHT publiziert. Gemeinsam mit Friedrich Ani, Michael Lentz, Nicola Bardola und anderen gründete Leitner Anfang der 1980er Jahre die Initiative Junger Autoren und war bis 1991 deren Vorsitzender. Bereits als Jurastudent edierte er junge Lyrik und Prosa bei Goldmann und war Juror beim Treffen Junger Autoren in Berlin (Bundeswettbewerb „Schüler schreiben“). Leitner veröffentlichte bisher zwölf Lyrikbände und zwei Booklets. Daneben war er umfangreich als Herausgeber tätig.

Anton G. Leitner wurde für seine literarische Arbeit u. a. mit dem Kulturpreis AusLese der Stiftung Lesen (1995), dem Victor Otto Stomps-Preis der Stadt Mainz (1997), dem Kogge-Förderpreis der Stadt Minden (1999) und dem Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung (2016) ausgezeichnet.

Zuletzt erschienen: Schnablgwax. Bairisches Verskabarett (2016) und Wadlbeissn. Zupackende Verse (2021), sowie als Herausgeber Die Bienen halten die Uhren auf. Naturgedichte (2020) und Gedichte für alle Liebeslagen (2021)

Sa. 12. Februar 2022, 16 Uhr, online & live: Buchpremiere Kerry Shawn Keys: Schnürsenkel für Chagall und andere Liebesgedichte

Kerry Shawn Keys, Foto: Algimantas Aleksandravičius
Kerry Shawn Keys, Foto: Algimantas Aleksandravičius

Der amerikanische Dichter Kerry Shawn Keys (Vilnius) liest aus seinem zweisprachigen, im Bübül-Verlag Berlin erschienenen Gedichtband Schnürsenkel für Chagall und andere Liebesgedichte / Shoelaces for Chagall and Other Love Poems, zusammen mit der Übersetzerin Stefanie Berger (Washington D.C.)

Die Künstlerin Ina Abuschenko-Matwejewa, die zu den Gedichten weibliche Akte als paper cuts gestaltet hat, wird im Lyrikhaus anwesend sein, einige ihrer Arbeiten zeigen und ihre Herangehensweise erläutern.

Tanja Langer, die Verlegerin, moderiert.

Präsenzteilnahme möglich, bitte verbindlich reservieren unter info ätt lyrikhaus.de. Es gelten die aktuellen Pandemieregeln.

Mitschnitt des Zoom-Meetings (bei Minute 1:25 geht es richtig los und es endet wegen Netzwerkproblemen etwas abrupt)