Archiv 2017

So. 12. November 2017, 15 Uhr: Im Märkischen Aufgelesen. Poetische Betrachtungen von Christiane Schulz, musikalisch begleitet von Brigitte Breitkreutz.

Am Sonntag, dem 12. November 2017 um 15 Uhr liest Christiane Schulz im Lyrikhaus, musikalisch begleitet von Brigitte Breitkreutz (Gitarre). Es gibt Kaffee und Kuchen. Eintritt 10 Euro.

Christiane Schulz wurde 1955 in Wildau südlich von Berlin geboren. Ab 1974 studierte sie Baustoffverfahrenstechnik an der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar. Nach dem Diplom ging sie 1979 nach Potsdam. Auf eine fünfjährige Kinderbetreuungszeit folgte ein neuer Anfang im Filmmuseum Potsdam und bis 1990 eine Stelle im „VEB Umweltgestaltung und bildende Kunst“ (Potsdamer Modellprojekt zur künstlerischen Ausgestaltung von Wohn- und Industriekomplexen). Seit 1993 arbeitet sie als Buchhalterin im Architekturbüro ihres Ehemannes.

Ihr erster Gedichtband „Endwintergrau“ kam 2000 heraus, mehrere weitere folgten. Das Kulturministerium des Landes Brandenburg förderte ihre Arbeiten 2002, 2007, 2011 und 2015 mit Arbeits- und Aufenthaltsstipendien. 2013 erschien im Märkischen Verlag Wilhelmhorst das Poesiealbum 307. Ihr aktueller Lyrikband Die beschriftete Zeit (Basilisken-Presse Rangsdorf) hat 90 Seiten und kostet 24 Euro.


Eindringlich

Vor dem Fenster das Laub gab eben erst
rot und gelb die gespeicherte Sonne ab
erhellte uns das Novembergrau
über Nacht jedoch fällt das Licht
aus den Bäumen gewinnt das Dunkel
die Oberhand aus allen Ecken
kriecht die Kälte an die zu sehen ist
schreibt Wörter die wir vergangen glaubten
vom Wasser her wo die offene Flanke ist
frischen die Winde steigen die Nebel auf
und verhüllen was wir
gelesen haben nur unzureichend
geschützt vor dem Niederschlag
stehen wir am geschlossenen Fenster

So. 15. Oktober 2017, 15 Uhr: „egal oder warte mal“ – Lesung mit Ingolf Brökel

Am Sonntag, dem 15. Oktober 2017 um 15 Uhr liest Ingolf Brökel im Lyrikhaus. Es gibt Kaffee und Kuchen. Eintritt 10 Euro.

Ingolf Brökel. Foto: Ulrike Ertel
Foto: Ulrike Ertel

Ingolf Brökel, geboren 1950 in Sauo (Niederlausitz), das 1971 der Braunkohle zum Opfer fiel. Der Vater Ingenieur, die Mutter Verwaltungsangestellte. Seit Schulbeginn in Senftenberg, 1969 Abitur. Studium der Physik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Danach Arbeit in Forschungseinrichtungen und im Hochschulbereich. Lehrt seit 1990 Physik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.

Lyrik von 1978-82; erste Veröffentlichungen 1981 in ndl und Temperamente. Zehnjährige Schreibpause. Rückkehr zum Schreiben 1992: Lyrik, auch Essays. Szenische Lesungen. Später auch Übertragungen (Nicanor Parra). Durch Gerhard Wolf 2007 zum Druckhaus Galrev gekommen. Dort erschien 2008 der erste Gedichtband mit dem Titel eben. Seither mehrere Gedichtbände (u.a. im abraum, 2012) und Poesiealbum 313. Brökel wohnt in Berlin.

daß ein gedicht unsinn ist
weiß jedes kind
je unsinniger um so lieber

aber manche
können nicht davon lassen
der unsinn reiht sich dann
(unter umständen
zu einem buch):
das ist wahnsinn

je wahnsinniger um so mehr

der alte dichter
bevor er geht
zieht davor den hut.


Das Gedicht stammt aus dem Band im b. raum, Palmartpress, 2017.

So. 24. September 2017, 15 Uhr: Lürische Ybungen. Lautgedichte und Bach-Fugen mit Ulrich Goerdten


Ulrich Goerdten
liest aus seinem 2016 erschienenen Band Lürische Ybungen. Lautgedichte und Leipogramme (Schwarzdruck, Gransee). Zwischen seine Lautgedichte streut er hie und da eine Bach-Fuge ein – im Lyrikhaus mangels Pianoforte am E-Piano. Eintritt 10 Euro.

Ulrich Goerdten (geb. 1935 in Teuchern im südlichen Sachsen-Anhalt) ist ein deutscher Schriftsteller, Kleinverleger und Bibliothekar. Nach dem Abitur verließ er die DDR und ging in die Bundesrepublik, wo er zunächst im Berg- und Straßenbau arbeitete. 1956–1961 studierte er Germanistik, Philosophie, Latein und Griechisch an der Universität Münster und der Freien Universität Berlin. Ab 1971 arbeitete er in der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, zuerst in Aushilfsjobs, später von 1979 bis 1999 als Fachreferent für Germanistik und andere Fächer, mit Lehrauftrag für germanistische Fachbibliographie. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Bibliotheksdienst betreute er noch bis Ende des Jahres 2012 die Germanistische Linksammlung der Universitätsbibliothek.

1983–1985 war Goerdten Vorsitzender der „Neuen Gesellschaft für Literatur“ in Berlin. 1991 gründete er in Bargfeld, wo er sich intensiv mit dem Werk Arno Schmidts auseinandersetzte, den Kleinverlag Luttertaler Händedruck, in dem vor allem literarhistorische Texteditionen erschienen. Von 2013 bis 2015 war er Vorsitzender des Vorstands der Pirckheimer-Gesellschaft.

Goerdtens erstes Buch Loosung und Leertext. Gedichte und Prosa. erschien 1969 in Berlin. Neben zahlreichen Herausgeberschaften (u.a. Ottilie Voß: Die Taube in der Laube.) und Schriften über Arno Schmidt, Julius Stinde und die Pirckheimer hat Goerdten immer an seinen Sprachspielen gearbeitet und gelegentlich etwas davon veröffentlicht (z.B. Anagramme auf Suse. Bargfeld 1988). Angeregt wird er dabei durch die Autoren des Oulipo (L‘ Ouvroir de Littérature Potentielle = franz. „Werkstatt für Potentielle Literatur“), die eine Erweiterung der Sprache durch formale Zwänge anstreben. Ihre bekanntesten Vertreter sind Raymond Queneau und Georges Perec, der einen ganzen Roman geschrieben hat, in dem kein E vorkommt. Ein bekannter oulipotischer Dichter ist Oskar Pastior.

Hier eine Kostprobe aus Lürische Ybungen (die zugehörige Leseanweisung wurde bei Facebook veröffentlicht):

Leseanweisung für AMMASCHALL:

Alle „A“ nach Ä hin abtönen, alle „L“ fast schnalzig von der Zunge lassen, „ch“ als Rachenlaut sprechen! Dann klingts fast wie Arabisch. (Grundwort – Hypokeimenon – ist „Schlamm“, es kommt aber nicht vor, ebensowenig wie der Allahöchste.)

Man kann die „A“ aber auch nach O hin abtönen und das Ganze nur nuscheln, dann klingt es fast wie undeutliches Sächsisch.

AMMASCHALL
schalaam schalaam
schmall hamma laschasch
lallamasach masachalall
malascha schalamma
amschala schalmam
sachlam malachsach
sach mal ach sach mal
ach maschas laamall
amaamalammasch chlammamm
ammaschall laschlaam
malmasch almam maach
lahm schallma maahlamm
achsama amlasch
malscha amallasch
almallach sachma lachsamma
schach hallma malhallaaa

Sa. 26. August 2017, 19 Uhr: Frank Viehweg: Wer sagt, dass Don Quichotte gestorben wär? Ein Poesiealbum der Dichterin Julia Drunina

„Ich habe mich in eine Frau verliebt“, bekennt Dichtersänger Frank Viehweg, „als ich ihr das erste Mal begegnete, war sie bereits seit zwanzig Jahren tot. Geblieben sind, mir zum Trost, ihre Gedichte. Einige davon habe ich in den letzten Jahren ins Deutsche übertragen.“

Frank Viehweg präsentiert seine Nachdichtungen der Verse der sowjetischen Poetin und stellt ihnen Lieder russischer Barden in ebenfalls eigener Übertragung zur Seite.

Eintritt 10 Euro.

Julia Drunina, 1924 geboren, beginnt mit elf Jahren, Gedichte zu schreiben. 1941, mit 17 Jahren, tritt sie freiwillig dem Roten Kreuz bei und geht als Sanitäterin an die Front, wo sie 1943 schwer verletzt wird. 1956 begegnet sie ihrer großen Liebe, dem 20 Jahre älteren Drehbuchautor und Filmemacher Aleksej Kapler (der ersten Liebe von Stalins Tochter, wofür er fünf Jahre Lagerhaft bekam), und es beginnen die glücklichsten Jahre ihres Lebens. Die neue Politik der Perestroika in den 1980er Jahren begleitet Julia Drunina anfangs mit großer Hoffnung. Bald jedoch setzt Ernüchterung ein, und sie leidet unter dem immer größer werdenden Chaos in der zerfallenden UdSSR. Am 21. November 1991 wählt sie den Freitod.

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Foto: Gabriele Senft

Frank Viehweg, geb. 1960 in Wolgast, veröffentlichte mit 19 sein erstes Gedicht. Zwei Jahre später während des Wehrdienstes wegen aufmüpfiger Lieder und Gedichte aus der SED und der FDJ ausgeschlossen. Anschließend Arbeit in der Berliner Stadtbibliothek. 1983 trotzdem Reinhard-Weisbach-Preis beim Poetenseminar der FDJ in Schwerin. Seit 1985 freiberuflicher Liedermacher, Autor und Nachdichter. Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, mehrere Bücher und CDs. Gemeinsamen Auftritte mit León Gieco, Gerardo Alfonso, Vicente Feliú, Jaromír Nohavica, Antoni Muracki, Johan Meijer und Juri Schewtschuk. Übertragung von Liedtexten und Gedichten aus dem Englischen, Griechischen, Russischen, Spanischen und Tschechischen.

Das Buch Wer sagt, dass Don Quichotte gestorben wär? (124 Seiten, 12 Euro) ist im NORA-Verlag erschienen.

Sa. 15. Juli 2017, 19 Uhr: Mehr war nicht drin. Lesung mit Florian Günther

Florian Günther. Porträt von Giovanni Lo Curto.
Florian Günther. Porträt von Giovanni Lo Curto. Mit freundlicher Genehmigung des Friedrichshainer ZeitZeigers

Florian Günther kam 1963 in Berlin-Friedrichshain zur Welt, wo er bis heute lebt. Er sang in einer Punkband, jobbte auf dem Bau, bei der Post, auf dem Friedhof, war eine Zeit lang obdachlos – und veröffentlicht seit 1993 seine eigenen Bücher und seit 2010 viermal im Jahr Drecksack. Lesbare Zeitschrift für Literatur im selbst gegründeten Verlag Edition Lükk-Nösens (edition-luekk-noesens.de). Einige seiner Bücher erschienen im Verlag Peter Engstler.

Eintritt 10 Euro.

Die Tätowierte

Sie hatte vier Jahre
abgesessen, und nun kam sie
zum ersten Mal
hier rein und setzte
sich an meinen Tisch.

Ich hab mich erst gar
nicht reingetraut,
erzählte sie mir. Ihr Kerle
denkt doch immer gleich
sonstwas, wenn eine Frau alleine
in die Kneipe geht …

Sie sah auch aus wie
vier Jahre Knast,
aber das verschwieg ich
ihr – ich sah vielleicht
nicht so schlimm
aus wie sie, aber ich hatte
es genauso nötig.

Die Kneipe schloß,
und sie nahm mich mit zu sich
nach Hause. Es gab kein
Licht, aber der
Gaskocher funktionierte.
Wir aßen einen Teller
Tütensuppe, stiegen ins
Bett und fickten, bis das trübe
Morgenlicht zu uns ins
Zimmer fiel.

Als sie sich aufsetzte,
um mal aufs Klo zu
gehen, sah ich ihre Tätowierung.
Es war ein großes, lieblos
hingehacktes Kreuz.
Und unter diesem Kreuz
stand: Mama. Und neben Mama
stand: vazeih.

(aus: Mehr war nicht drin, Verlag Peter Engstler, 2013)

Sa. 27. Mai 2017, 19 Uhr: Verlagsvorstellung: Corvinus Presse.

Es lesen Gerd Adloff und Petrus Akkordeon. Gisbert Amm spricht mit Verlagsgründer und -betreiber Hendrik Liersch. Eintritt 5 Euro.

Hendrik Liersch

Die Corvinus Presse wurde 1990 von Hendrik Liersch gegründet. Das erste Buch erschien im April 1990, mittlerweile sind es über 300. 2009 erhielt Hendrik Liersch den V. O. Stomps Preis der Stadt Mainz für buchkünstlerische Leistungen. Die Bücher der Corvinus Presse befinden sich in über 200 Bibliotheken weltweit und zahlreichen Privatbibliotheken. Sie werden im Buchdruck hergestellt, mit japanischer Bindung oder Handeinbänden. Oft mit Originalgraphiken, oft signiert und numeriert. Seit 2015 erscheint außerdem die 2005 gegründete Künstlerzeitschrift Body & Soul zweimal im Jahr im Verlag. www.corvinus-presse.de.

Gerd Adloff, geb. 1952 in Berlin. Nach Abitur und Armeezeit Rotationsarbeiter, Buchhändler und dann Packer in einer Druckerei. 1976 bis 1981 Studium der Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1981 bis 1992 Mitarbeiter am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1992 bis 1999 Mitarbeit im Literaturverein „Orplid“, zeitweilig Lektor der Lyrikheftreihe „Poet’s Corner“.

Seit 1993 intensive Beschäftigung mit Fotografie. Seit 2007 wieder intensive Arbeit an Gedichten. Veröffentlichungen: „Fortgang“ (Gedichte, 1985); „Versensporn 4“ (39 Gedichte, 2011); „Wir erwarten die Zukunft in Kürze“ (12 Gedichte, 2012).

Petrus Akkordeon, geb. 1971 in Berlin. Studien der Philosophie, Psychologie, Religionswissenschaften an der FU Berlin und Kunst an der HdK Berlin. Zahlreiche Ausstellungen und Buchveröffentlichungen, unter anderem Warum ich drei bis vier Möwen sein möchte (Mückenschweinverlag, 2015), Eul doch (2014) und Odysseus habe ich nie gemocht (2014) bei der Corvinus-Presse sowie Gedichte und Zeichnungen (Andante Handpresse, 2013). 1999 rief er mit seinem Künstlerkollegen Georg Kakelbeck den Kunstkampfverlag ins Leben, der sich die Poetisierung des Alltags zum Projekt gemacht hat.

Als leidenschaftlicher Guerilla-Gärtner pflanzt er Blumen auf Verkehrsinseln und baut Gemüse auf Grün- und Brachflächen in Berlin an.

So. 9. April 2017, 15 Uhr: Vogel komm – Johannes Bobrowski zum 100. Geburtstag. Konzertlesung mit Henry-Martin Klemt, Rita Klemt, Ursula Suchanek und Thomas Strauch

Am 9. April 2017 jährt sich der Geburtstag von Johannes Bobrowski zum 100. Mal. Mit seinen Gedichten, Erzählungen und Romanen ist er im Lauf weniger Jahre vor seinem frühen Tod zu einem der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts geworden. Eine ganze Generation von Autoren wurde durch sein Werk inspiriert. Bobrowski schlug eine Brücke nach Osteuropa, dorthin, wo seit Jahrhunderten die Völker sich vermischten, aber auch unheilvoll aufeinanderstießen, wo Deutsche schuldig wurden an ihren Nachbarn. Bobrowski erzählte davon in einer einzigartig  melodiösen Sprache, die den Leser völlig in sich aufzunehmen scheint, von „Levins Mühle“, vom „Tänzer Malige“ und vom „Mäusefest“. In seinen Gedichten hat er das einzelne Wort, den Vers, das Bild wieder ins Zentrum des Poetischen gerückt. In seinen Landschaften verweben sich die Zeiten und Kulturen. Ursula Suchanek, Rita Klemt, Thomas Strauch und Henry-Martin Klemt sind den Spuren des Dichters gefolgt.

Der Eintritt beträgt 5 Euro.

So. 19. März 2017, 15 Uhr: Internationaler Tag der Reparatur. Lesung und Performance mit Yan Jun und Lea Schneider

Am Sonntag, dem 19. März 2017 um 15 Uhr kommen Yan Jun und Lea Schneider zu einer Lesung und musikalischen Performance ins Lyrikhaus. Der Eintritt beträgt 5 €.

Yan Jun. Foto Julia Gerlach
Yan Jun. Foto: Julia Gerlach

Yan Jun, geboren 1973 in Lanzhou, lebt in Beijing, wo er als Lyriker, Essayist, DJ, Komponist, Performer und Herausgeber arbeitet und das Guerilla-Label „Subjam“ betreibt. Er hat zahlreiche Bücher, Künstlerbücher und Buch-CD-Kompilationen veröffentlicht, unter anderem 次声波 (Infrasonic, 2001), 不可能 (Impossible, 2006), 唯一的真迹 (The only authentic work, 2013, in Kooperation mit dem französischen Komponisten Lionel Marchetti) und七首诗和一些耳鸣 (Seven Poems and some Tinnitus, 2016, in Kooperation mit der taiwanesischen Lyrikerin Hsia Yü). Yan Juns Interesse gilt verschiedenen Formen musikalischer Improvisation und field recordings: dem Zusammenwirken von Hintergrundgeräuschen, Noise, Low Tech und Stille, von unkontrollierten Instrumenten, Stimmen und Körperbewegungen.

Dieses Interesse spiegelt sich auch in seinen Gedichten wider, die als tagebuchartige Notizen scheinbar nebensächliche Beobachtungen aus dem Hintergrundrauschen des Alltäglichen ins Zentrum der Aufmerksamkeit holen. Zugleich ist Yan Jun ein Dichter, der seine künstlerische Praxis immer auch als eine politische versteht, wovon unter anderem seine explizit für Performances geschriebenen Langgedichte im Stil von Manifesten zeugen.

Musik spielt auch eine große Rolle bei seinen Lesungen. „In der Vergangenheit waren sie extrem laut, aber in den letzten Jahren sind sie etwas ruhiger geworden“, sagte er dazu in einem Interview.

2016 ist unter dem Titel Internationaler Tag der Reparatur im hochrot Verlag Berlin eine kleine Auswahl seiner Texte erschienen, ins Deutsche übertragen von Lea Schneider.

Lea Schneider. Foto: Jasmin Oertel
Lea Schneider. Foto: Jasmin Oertel

Lea Schneider, geboren 1989 in Köln. Seit 2008 Studium der Sozio­logie, Kom­pa­ratis­tik, Sino­logie und Linguis­tik in Berlin, Shanghai, Taipei und Frank­furt / Oder. Sie ist Mit­glied des Berliner Lyrik­kollektivs G13.

Ihre Texte erschienen in zahlreichen Zeitschriften und Antho­logien, zuletzt in 40% Para­dies. Gedichte des Lyri­kkollektivs G13 (luxbooks). Einladungen u.a. zum Poesie­festival Berlin, zum Inter­national Poetry Festival Beijing und zum Poet Bewegt-Wett­bewerb für junge Literatur.

Seit 2011 übersetzt sie zeit­genös­sische chinesische Lyrik ins Deutsche. 2014 erschien im Verlagshaus J. Frank, Berlin (inzwischen Verlagshaus Berlin) ihr Debüt INVASION RÜCKWÄRTS.

Sa. 18. Februar 2017, 19 Uhr: Verlagsvorstellung: ELIF-Verlag

Am 18. Februar 2017 um 19 Uhr stellt das Lyrikhaus den ELIF-Verlag aus Nettetal bei Krefeld vor. Gegründet im Jahre 2011 durch Dinçer Güçyeter, der auch selbst als Autor hervorgetreten ist, bringt der Verlag schwerpunktmässig Lyrik – regional wie international – von DebütantInnen genauso wie von PreisträgerInnen. Unter letzteren zum Beispiel Jonis Hartmann, Christoph DanneAnke GlasmacherMichael StarckeLale Müldür und Ilhan Berk. Bei der Verlagsvorstellung lesen Jonis Hartmann und Christoph Danne und Gisbert Amm interviewt Dinçer Güçyeter zu seinem Verlag und seinen Plänen. Der Eintritt beträgt 5 Euro.

Jonis Hartmann wurde 1982 in Köln geboren, hat als Architekt gearbeitet, als Versuchskaninchen, als Buchhändler, Lektor und Übersetzer, als Möbelpacker, Grafiker, Richtschütze und Statist. Jonis lebt in Hamburg, schreibt Lyrik, Prosa und Essays und ist Mitorganisator der internationalen Lesereihe Hafenlesung. Er ist Mitglied im writers‘ room und im Forum Hamburger Autorinnen und Autoren. Mehrere Preise und Stipendien. Im ELIF-Verlag erschien 2016 sein Gedichtband Bordsteinsequenzen.

Christoph Danne, geboren 1976 in Bonn, lebt in Köln. Er studierte Literatur- und Sprachwissenschaft in Berlin und Salamanca. Neben Beiträgen in Anthologien und Zeitschriften erschien der Gedichtband finderlohn (2011). Danne veranstaltet den Lyrikabend HELLOPOETRY! und die Literaturbühne gegenlichtlesen in Köln. Zudem betreibt er den tauland-verlag. 2013 wurde er mit dem Publikumspreis „Bachmannpreis für alle“ (Literatur-Atelier Köln) und beim Lyrikwettbewerb postpoetry.NRW ausgezeichnet. Im ELIF VERLAG erschien 2015 sein Gedichtband Shooting Stars.

Dinçer Güçyeter, geboren 1979 in Nettetal bei Krefeld, machte von 1996 bis 2000 eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker. Erste Bühnenerfahrung 1998 in Köln. Seitdem spielte er in unterschiedlichen Theaterproduktionen. 2013 gründete er in Nettetal den ELIF VERLAG mit dem Programmschwerpunkt Lyrik. Es folgten Einzelbände und Anthologien mit bundesweit zahlreichen Lesungen. Im ELIF VERLAG erschienen seine eigenen Lyrikbände Anatolien Blues und Ein Glas Leben. Zur Zeit betreut er Theater-Ensembles, schreibt, beobachtet, spaziert, spielt mit seinen Kindern und lebt.

So. 15. Januar 2017, 15 Uhr: Kaffee, Kuchen und Poesie mit Carmen Winter und Klaus Rainer Goll

Am 15. Januar um 15 Uhr kann man im Lyrikhaus bei Kaffee und Kuchen den Texten von Carmen Winter (Frankfurt/Oder) und Klaus Rainer Goll (Lübeck) lauschen und mit den beiden ins Gespräch kommen. Der Eintritt beträgt 5 Euro.
Carmen WinterCarmen Winter, geb. 1963 in Wriezen (Oderbruch), Germanistin, lebt als freiberufliche Autorin in Frankfurt/Oder. Veröffentlichung von Lyrik in Zeitschriften und Anthologien, Einzelpublikation 2006 im Aphaia-Verlag, Berlin (Mitlesebuch 86).

Daneben mehrere Veröffentlichungen über das literarische Leben in Frankfurt und die Märkische Dichterlandschaft, ein kulturhistorisch-touristischer Reiseführer für das Oderbruch sowie Hörspiele, CDs und Märchen für Erwachsene. Carmen Winter leitet Workshops und Kurse zum kreativen Schreiben für Kinder und Erwachsene und ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS), der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik und anderer Autorenvereinigungen.

claus_rainer_gollKlaus Rainer Goll, geb. 1945 in Lübeck, war bis 2008 als Realschullehrer tätig. Daneben veröffentlichte er seit 1965 Gedichte und Kurzprosa. Sein Debüt „Windstunden“ erschien 1973 im Relief Verlag, München und wurde 2009 mit einem Nachwort von Hans Wißkirchen im Elfenbein-Verlag neu aufgelegt, dem Verlag, in dem zwischen 1997 und 2005 auch seine Gedichtbände „Dies kurze Leben“, „Meer ist überall“ und „ZEIT VERGEHT“ erschienen sind. Weiterhin erschien 1980 im Verlag „die scene“ (Rudolf Wolff), Lübeck eine Sammlung von Gedichten und Kurzprosa mit dem Titel „Flugbahnen“ und 1983 im Klaus Guhl-Verlag Berlin der Gedichtband „Sonnenlandschaften“ mit Zeichnungen von Wolfgang Sesterhenn.

Bis zur Wende 1989 initiierte er Begegnungen von Autoren aus Ost und West und gründete 1980 den Lübecker Autorenkreis, dessen Vorsitzender er noch immer ist. 1986 bis 1999 gab er die Anthologie treffpunkte heraus. Seine Texte wurden in mehrere europäische Sprachen übersetzt. 2016 erschien im Elfenbein-Verlag sein aktueller Gedichtband „denn alles sind spuren“.

Klaus Rainer Goll erhielt 1974 den Lyrikpreis „Goldener Federkiel“, 1977 den Kurzprosa-Preis der Literarischen Union, 1985 den Kulturpreis der Stiftung Herzogtum Lauenburg und 1986 die Heinrich-Mann-Plakette. 2008 wurde er durch die Possehl-Stiftung für seine Bemühungen um das Kulturleben der Hansestadt Lübeck ausgezeichnet. 2010 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.