Lesungsanfragen

Ich bekomme inzwischen so viele Anfragen, dass ich mich gezwungen sehe, ein paar Sätze dazu online zu stellen. Das Lyrikhaus ist eine private Initiative von meiner Frau und mir, neben unserer
Vollzeitberufstätigkeit. Es steht keine Körperschaft dahinter – weder ein Verein, noch eine Stiftung, noch sonst ein Kulturträger. Sämtliche Arbeiten im Lyrikhaus machen wir allein – von der Öffentlichkeitsarbeit bis zum Putzen. Sonst könnte das Projekt nicht existieren.

Wir organisieren etwa 10 Lesungen pro Jahr. Das ist nicht viel und wir würden gerne mehr machen, aber mehr schaffen wir nicht. Lesung bedeutet: den Laden umräumen und saubermachen, einen ganzen Nachmittag oder Abend mit höchster Konzentration arbeiten – wir wollen ja schließlich, dass es ein Erfolg wird, sich alle Gäste wohlfühlen und wir keinen Wunsch übersehen – und anschließend den Laden wieder einräumen. Es ist ein Kraftakt. Es ist jedesmal schön und lohnt sich, bleibt aber nichtsdestotrotz eine große Anstrengung. Bitte ziehen Sie das in Betracht, wenn Ihnen der Gedanke kommt: „Ach, das klingt ja schön, da könnte ich doch mal lesen!“

Glauben Sie mir, Sie sind nicht der erste Mensch, der auf diese Idee kommt. Ich habe eine Kandidat*innenliste, die weit mehr als ein Jahr vorausreicht. In der Regel spreche ich die Autor*innen an, denn ich denke mir etwas bei meinem Programm. Bis auf wenige Ausnahmen lesen im Lyrikhaus nur Zeitgenossen. Bewerben Sie sich also mit Ihrem Rilke- oder Heine-Programm woanders (nichts gegen Rilke und Heine, ich mag beide sehr und kenne etliche ihrer Gedichte auswendig). In der Regel lesen im Lyrikhaus Autor*innen, die bereits veröffentlicht haben – und zwar nicht im Selbst- und auch nicht im Bezahlverlag. Persönliche Eitelkeit interessiert mich nicht.

Wenn Sie trotzdem auf Ihrer Anfrage bestehen, dann schicken Sie sie mir bitte ausschließlich per Mail. Bitte keine Facebook-Nachrichten! Und rufen Sie mich vor allen Dingen nicht an. Bitte schicken Sie die gleiche Anfrage nicht noch einmal, wenn ich für Ihr Gefühl nicht schnell genug antworte. Ich schreibe zurück, wenn ich die Zeit dafür finde. Schicken Sie gern ein paar Texte mit, damit ich mir einen Eindruck verschaffen kann (aber bitte nicht Ihre gesammelten Werke).

Einmal im Jahr, im August, veranstalten wir eine Offene Lesebühne. Hier können sich bis zu zwölf Autor*innen vorstellen, die aus verschiedenen Gründen noch nicht oder sehr wenig veröffentlicht haben. Die zwölf haben dann jeweils für maximal zehn Minuten die Bühne für sich. Nach zehn Minuten ist Schluss, ausnahmslos. Ab 2019 widme ich die Lesebühne einem toten Dichter oder einer toten Dichterin, die am Tag der Lesebühne einen runden Geburtstag haben. Wenn Sie wollen, können Sie sich mit den Werken dieses Menschen beschäftigen und etwas davon vortragen oder sich kreativ dazu verhalten.

Wenn Sie nicht sehr weit weg wohnen oder ohnehin einen Berlin-Besuch vorhaben, dann kommen Sie doch einfach mal im Lyrikhaus vorbei. Dann wissen Sie, wie es aussieht und wir können uns unterhalten.
Ich bin der Meinung, dass alle, die selbst Gedichte schreiben, Gedichtbände, Anthologien
oder Zeitschriften des jeweils aktuellen Jahres gelesen haben sollten. Man kann im Lyrikhaus viele davon finden. Ich selbst bin immer für Anregungen und Hinweise dankbar, die über die eigene Publikationsliste des Gesprächspartners hinausgehen. Und wer weiß, vielleicht finden wir ja einen gemeinsamen Draht, auf dem sich ein paar Gedankenschwalben niederlassen, und es entsteht etwas daraus.