Archiv 2019

So. 17. Februar 2019, 15 Uhr: Gerald und Martin Höfer, Ästhetische Verblendung

Gerald Höfer beim "Fest für die Poesie" der Literarischen Gesellschaft Thüringen 2018
Gerald Höfer beim „Fest für die Poesie“ der Literarischen Gesellschaft Thüringen 2018

Martin und Gerald Höfer stellen die ARTE Fakt Verlagsanstalt vor und sprechen über das Spannungsfeld von Lyrik und bildender Kunst. Gerald Höfer wird Gedichte aus dem Manuskript zu seinem neuen Buch „Ästhetische Verblendung“ lesen. Moderation Gisbert Amm. Der Eintritt beträgt 10 Euro. Es gibt Kaffee und Kuchen.

Die ARTE Fakt Verlagsanstalt wurde 2002 von Martin und Gerald Höfer gegründet, um Schriften, Tonträger und Kunst-DVDs zur verlegen, die im Rahmen ihres seit 1999 bestehenden Kunst-Projektes Barbara Rossa entstanden waren, das Bildende Kunst, Literatur, Musik und Performances vereinen sollte. In den Folgejahren wurden auch Bücher anderer Künstler wie Oswald HenkeChris Goellnitz, Norbert. K. Engelhardt, Gabriele Stötzer, eine Anthologie sowie Schriften zur Kunsttheorie verlegt.

Gerald Höfer, geb. 3. März 1960, studierte von 1976 bis 1980 am Institut für Lehrerbildung in Weimar, von 1987 bis 1990 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und von 2004 bis 2013 Germanistische Literaturwissenschaft sowie Volks- und Betriebswirtschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In den 80iger Jahren Organisation unabhängiger Kulturveranstaltungen in Nordthüringen. Neben Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften 2003 „Gedichte zwischen mir nichts und dir nichts“, ARTE Fakt Verlagsanstalt.

Martin Höfer, geb. 25. Oktober 1982, studierte ab 2005 Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, ab 2007 in der neu gegründeten Klasse für Mass Media Research und Kunst im medialen öffentlichen Raum. Gastaufenthalte an der Kunsthøgskolen i Bergen (Norwegen), Helwan University Kairo, Al-Balqa Applied University Amman (Jordanien) und Vilniaus dailės akademija (Litauen). Im Jahr 2013 schloss er sein Studium mit Auszeichnung ab. 2015 von der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen gefördertes sechsmonatiges Artist in Residence Stipendium für die Teilnahme am International Studio & Curatorial Program (ISCP) in New York. Ausstellungen zuletzt: Mythos Tour de France, NRW-Forum Düsseldorf, 2017 und mass media approach, Kunstverein Gera, 2018. Höfer lebt und arbeitet in Leipzig.

So. 20. Januar 2019, 15 Uhr: Frederike Frei: Aberglück

Frederike Frei
Frederike Frei

Frederike Frei liest Gedichte aus aus ihrem 2018 in der Edition Bärenklau erschienenen Band Aberglück. Musikalisch begleitet wird sie von Joachim F. Schroeder (Hamburg), mit dem sie früher als homo musicus et poeticus auftrat. Der Eintritt beträgt 10 Euro. Es gibt Kaffee und Kuchen.

Frederike Frei, bürgerlich Christine Golling, geboren 24. Januar 1945 in Brandenburg an der Havel, aufgewachsen in Rotenburg an der Wümme, Bonn und Hamburg. Studium der Germanistik, Theologie und Theaterwissenschaften in Hamburg, Ausbildung an der Staatlichen Schauspielschule Hamburg (Diplom). Schauspielerin an Theatern in Wilhelmshaven, Verden (Landesbühnen) und Hamburg sowie in Kino- und Fernsehfilmen, Serien und Werbespots. 1976 Aktion ‚Lyrik im BaUCHLADEN‘ auf der Frankfurter Buchmesse. Wanderung als „Bundesdichterin“ durch Deutschland und auf der Kasseler Documenta 6, 7 und 8. 1978 Teilnahme an den „Internationalen Literaturtagen“ in Berlin. 1979 war sie die Organisatorin der Ersten Dichter-Demonstration in Hamburg. 1980 gründete sie mit diesen Dichtern zusammen den Literaturpost e.V. in Hamburg, später Literaturlabor e.V.  1994 war sie Mitbegründerin des Hamburger Writers Room e.V.

Preise u.a. Hamburger Lyrikpreis (1989), Ringelnatz-Publikumspreis Cuxhaven (1990), Preisträgerin im Hans Henny Jahnn-Wettbewerb (1993) und Art-Directors-Club-Preis (1998), Alfred-Döblin-Stipendium der Berliner Akademie der Künste (2018).

Gedichtveröffentlichungen u.a. Mitlesebuch 126. Kolumnen-Gedichte. APHAIA Verlag 2015 und Poesiealbum 319.  Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2015

Rezension von Salli Sallmann zu Aberglück (Audio) Quelle: Kulturradio, 20.11.2018

Immer hab ich Lust auf alles,

grausam. Ob ich zum Griechen
gehe oder zuhause hungere,
immer sitz ich begeistert in
meiner Gesellschaft. Kauf ich
Kuchen, ist es toll, dass ich
Kuchen gekauft hab. Kauf ich
keinen, ist es toll, dass ich keinen
Kuchen gekauft hab, ich bin doch
eine arme Irre. Nie fall ich tief
und fall ich tief, bin ich froh, die
Welt von unten zu sehn. Es ist so
gleich, wer oder was ich bin und
ob überhaupt. Immer sperr ich
den Schnabel auf: Ein Wörtchen
für mich, keines für dich, die
guten ins Töpfchen, die bösen
im Köpfchen. Ich kann auch kaum
trauern, schon bin ich hingerissen
vom Tränenstrom. Was er weg
schwemmt und wie zierlich er
versiegt. Schön aufgeweicht der
Seelenboden, hoch aufgeschossen
das Gras, das drüber wächst.
Nicht einmal das Wetter bedrückt
mich. Es wechselt sein Kleid, um
mich zu überraschen. Trägt es
lange dasselbe, fühlt es sich darin
sauwohl und zählt auf meinen
Beifall, den es auch kriegt. Nie . . .
stöhn ich mit anderen mit und
sehe Grund, mich zu beklagen.
Ein Freudenfädchen find ich immer.
Wie soll ich denn etwas zu sagen
haben, wenn ich alles nehme,
wie es kommt. Hauptsache, es
kommt. Wie soll ich bloß Romane
schreiben, wenn ich schon entzückt
bin, fünfzig Cent zu finden, schon
zehn! Naja, zehn… Und doch!
Wenn er da liegt, der eingelaufene
Groschen in ranzigem Gold, dann
steigt das Blut auf die Barrikaden,
die Finger grapschen hin und
kennen nur Haben und Reicher
Sein und die Lust fährt Paternoster
in der Brust, oben um die Kurve
und juckelt wieder runter, so
geht das schon ewig. Allen glaub
ich aufs Wort, jedes Wort eine
Welt, jede Welt stimmt doch.
Und nicht für fünf Pfennig Lust,
aufzuhören mit was auch
immer.