Archiv 2018

So. 23. September 2018, 15 Uhr: Frank Viehweg HERBSTESKOMMEN. Lieder nach Herbstgedichten von Louis Fürnberg

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Foto: Gabriele Senft

„Louis Fürnberg ist in Mähren geboren und in Böhmen aufgewachsen, genau wie mein Vater“, sagt Dichtersänger Frank Viehweg, „vielleicht hat mir das die wiederholte Begegnung mit seinen Versen leicht gemacht. Der Dichter aber gehörte zur Generation meines Großvaters.“ Fürnberg kam 1909 in Iglau zur Welt und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Karlsbad.

Sein 1937 geschriebenes Gedicht Du hast ja ein Ziel vor den Augen avancierte in der DDR zu einem legendären FDJ-Lied.

1976 landeten die Puhdys einen Hit, in dem es heißt:  Alt wie ein Baum möchte ich werden, genau wie der Dichter es beschreibt. Kaum einer wußte, kaum einer weiß es heute: Der erwähnte Dichter ist Louis Fürnberg. Heute ist er vergessen, sein Werk versunken.

Sein Name findet nur manchmal noch Erwähnung als Autor des „Liedes der Partei“: Die Partei, die Partei, die hat immer recht / Und Genossen, es bleibe dabei / Denn wer kämpft für das Recht, der hat immer recht, gegen Lüge und Ausbeuterei …
2001 schrieb der Literaturwissenschaftler Hans Mayer, mit Bezug auf das Lied: Ein Gedicht aus der Feder des liebenswerten Louis Fürnberg aus Böhmen, eines Juden, der ein begabter Dichter war und ein demokratischer Sozialist, der immer wieder versuchte, wider seine bessere Überzeugung, aus sich einen orthodoxen Stalinisten zu machen. Ohne Erfolg. Christa Wolf schreibt in ihrem Buch Stadt der Engel, daß Fürnberg das Lied von der Partei im Jahre 1949 nicht als eine Lobeshymne, wie es später in der DDR Verwendung fand, geschrieben hatte, sondern als eine Art Selbstdisziplinierung. Seiner Frau Lotte sagte er: Dieses Lied wird mir noch einmal sehr schaden.

Das Werk des Dichters aber ist viel größer. Siebzehn Gedichte aus dem umfangreichen Werk Louis Fürnbergs hat Frank Viehweg in Töne gesetzt. Das Thema Herbst für den Liederzyklus, als Jahreszeit und Herbst des Lebens, hat sich dabei von selbst ergeben. Nachdem die Vertonungen abgeschlossen waren, las Viehweg in den Erinnerungen von Fürnbergs Frau Lotte: Immer hat Fürnberg die Herbste beschrieben, die wir erlebt haben, denn er hat diese Jahreszeit ganz besonders geliebt.

1954, in einer Zeit antisemitischer Tendenzen nach den Slánský-Prozessen, siedelten die Fürnbergs von Prag nach Weimar über. Dem Dichter blieben nur noch drei Jahre. Er starb, 48jährig, nach einem Herzinfarkt. An seinem Todestag schrieb Fürnberg an den jungen Dichter Rainer Kirsch: … daß das Leben viel komplizierter ist als ein Gedicht. Daß aber Gedichte zum Leben gehören, weil man ohne Schönheit, ohne Tiefe und ohne die Weisheit der Gedichte nicht leben kann.

Eintritt 10 Euro

Sa. 25. August 2018, 19 Uhr: Offene Lesebühne

Alle, die sich für Lyrik interessieren oder auch selbst schreiben sind eingeladen, Gedichte zu rezitieren oder vorzulesen. Das kann aus der Schulzeit erlerntes sein (Frau Sydow bringt uns hoffentlich „Die Rippe“ zu Gehör), das kann ein Lieblingsgedicht sein (oder mehrere), das kann etwas Selbstverfasstes sein. Pro Person maximal zehn Minuten. Ein zeitliches Minimum gibt es nicht. Wenn jemand einen Vierzeiler, Limerick oder Schüttelreim zum besten geben will – nur zu! Wir freuen uns auf zahlreiche interessante Beiträge. Eintritt frei.

P.S.: Von der Lesung mit Bela Chekurishvili aus Georgien ist noch georgischer Wein aus ihrem Heimatort da. Wir können also noch einmal auf das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse anstoßen.

P.P.S.: Die für diesen Tag ursprünglich geplante Lesung mit Kathrin Schmidt wird 2019 nachgeholt.

Sa. 23. Juni 2018, 19 Uhr: „Wir, die Apfelbäume“ von und mit Bela Chekurishvili (Georgien), deutsche Nachdichtungen gelesen von Norbert Hummelt

Gefördert durch die Stadt Joachimsthal

Bela Chekurishvili
Bela Chekurishvili

Bela Chekurishvili (ბელა ჩეკურიშვილი), geboren 1974 in Vachnadzeani (Gurjaani), Georgien, hat georgische Sprache und Literatur an der Universität Tbilisi studiert. Sie arbeitete als Kulturjournalistin und Lehrerin, zeitweise war sie eine begeisterte Alpinistin. Sie ist Doktorandin für Komparatistik an der Universität Tbilisi, zur Zeit studiert sie an der Universität Bonn. Einschließlich ihres Debüts Oder… oder im Jahr 1998 hat Bela Chekurishvili vier Lyrikbände auf Georgisch veröffentlicht, zuletzt Detektor der Nacktheit (Intelekti Tbilisi, 2017). Ebenfalls auf Georgisch erschien eine Kurzgeschichten-Sammlung mit dem Titel Rheinische Aufzeichnungen (Intelekti Tbilisi, 2016). In deutscher Übertragung wurden vier ihrer Texte zuerst 2015 in der Anthologie Aus der Ferne. Neue Georgische Lyrik der Berliner Corvinus Presse veröffentlicht (Nachdichtung Norbert Hummelt). Im Jahr darauf erschien im Verlag Das Wunderhorn unter dem Titel Wir, die Apfelbäume eine Sammlung ihrer Gedichte auf Deutsch, ebenfalls in Übertragungen von Norbert Hummelt. Im Juli 2018 erscheint im Verlag Das Wunderhorn ihr neuer Gedichtband Barfuß, erneut übertragen von Norbert Hummelt, aus dem sie ebenfalls lesen wird.
Die 1974 geborene Dichterin und Kulturjournalistin gehört zur »Wende«-Generation in der georgischen Literatur – aufgewachsen unter dem Sowjetstern und dann hineingestellt in die plötzliche Freiheit eines Landes, das ganz neu war und zugleich ganz alt. Alt wie die Apfelbäume und der Wein. Ihre Gedichte sind getragen von einem Aufbegehren gegen die reiche Formtradition der georgischen Dichtung und doch zugleich von ihr gespeist. Aber ob sie nun zum prosanahen, skeptischen Blocksatz tendieren oder im Urvertrauen auf den Reim zu tanzen beginnen – immer sind diese Gedichte elektrisch geladen.

Der Kreis

Dort oben, wo man alles weiß
und uns die Hausnummer zuweist,
den Wohnort und den Breitengrad,
die rechte Farbe unserer Haare,
die Hüft-, die Taillen- und die Körbchengröße
und die Studiengebühren;
dort oben, wo das alles vorbestimmt und eingezeichnet wird,
dort weiß man auch, wann uns der Vater einen Welpen bringt
und wann das kleine Tier vor unsern Augen
von einem Lastkraftwagen überfahren wird.
Man weiß dort auch, in welcher Nacht
wir durch das Fenster auf die Straße springen
und unsern Freunden folgen werden,
selbst wenn uns danach keine Heimkehr bleibt.
Man weiß, wann wir auf nassen Schienen rutschen,
wann wir am Rande eines Daches stehen
und den Regenschirm aufklappen;
Dort oben, irgendwo, weiß man Bescheid
kennt unsern Namen, und Wort für Wort auch den gebrochenen Eid
das Datum eines Faustschlags, und wann die Ehe auseinanderging,
und auch die Witwenschaft der Mütter ist dort aufgezeichnet
und wie man Brot erwarb für einen goldenen Ring.
Dort oben, irgendwo,
hat man beschlossen, dass keine Tür mit einem Ruck aufgeht
und dass wir besser durch die Spalten kriechen,
dort oben, wo man auf die Kriege in unsern Ländern blickt
und sie wie aufgereihte Szenen eines Films betrachtet,
die Kriege, die uns die Brüder und Geliebten nehmen,
und unsern Kindern wies man eine Kindheit zu
in kalten Häusern und mit wenig Blut.
Dort oben weiß man nun wahrscheinlich auch,
dass ich nicht meine Arme breite, um ein Kruzifix
zu zeichnen, sondern dich ergriffen habe,
um mit dir einen größeren Kreis zu ziehen
und zu schreien: hier stehen Wir!

Nachdichtung von Norbert Hummelt

Norbert HummeltNorbert Hummelt, geboren 1962 in Neuss am Rhein, wuchs dort auf. Zwischen 1983 und 1990 studierte er Anglistik und Germanistik in Köln und schloß dieses Studium mit dem 1. Staatsexamen ab. Erste literarische Texte entstanden seit 1984, erste Gedichte seit 1986. Seit 1984 journalistische Tätigkeiten für verschiedene Zeitungen und Rundfunkanstalten. Er leitete von 1988 bis 1992 die Autorenwerkstatt der Universität Köln. Seit 1991 freier Schriftsteller. 1993 erschien der erste Gedichtband „knackige codes“ im Druckhaus Galrev, Berlin. Seit Ende der 90er Jahre sind zudem zahlreiche Essays und Features zur Literaturgeschichte und Poetik entstanden, außerdem Übersetzungen, vorwiegend aus dem Englischen. Er gab u.a. die Werke von W.B. Yeats heraus und übertrug T.S. Eliots Gedichtzyklen „The Waste Land“ und „Four Quartets“ neu ins Deutsche. Sein Werk erscheint seit 2001 im Luchterhand Literaturverlag. Seit 2002 unterrichtete er wiederholt als Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Nach langen Jahren in Köln und Umgebung zog er 2006 nach Berlin.

So. 22. April 2018, 15 Uhr: Gerd Adloff und Elisabeth Wesuls

Gefördert durch die Stadt Joachimsthal

Am Sonntag, dem 22. April 2018 um 15 Uhr lesen Gerd Adloff und Elisabeth Wesuls im Lyrikhaus. Der Eintritt beträgt 10 Euro. Es gibt Kaffee und Kuchen.

Gerd Adloff

Gerd Adloff, geb. 1952 in Berlin. Nach Abitur und Armeezeit Rotationsarbeiter, Buchhändler und dann Packer in einer Druckerei. 1976 bis 1981 Studium der Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1981 bis 1992 Mitarbeiter am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1992 bis 1999 Mitarbeit im Literaturverein „Orplid“, zeitweilig Lektor der Lyrikheftreihe „Poet’s Corner“.

Seit 1993 intensive Beschäftigung mit Fotografie. Seit 2007 wieder intensive Arbeit an Gedichten. Veröffentlichungen: „Fortgang“ (Gedichte, 1985); „Versensporn 4“ (39 Gedichte, 2011); „Wir erwarten die Zukunft in Kürze“ (12 Gedichte, 2012); „Zwischen Geschichte und September“ (Corvinus Presse, 2015); „Alles Glück dieser Erde“ (Corvinus Presse, 2017)

Geschichte
(Leseprobe aus: Zwischen Geschichte und September, Gedichte, 2015, Corvinus Presse).

Als Gagarin in den Weltraum flog
hatte ich meinen Turnbeutel vergessen.

Als sie die Mauer bauten
war ich im Ferienlager
und verlor meinen linken Schuh
in einer sumpfigen Wiese.

Als man Kennedy erschoss
verprügelte mich ein Mädchen
und ich wusste nicht
wie ich mich wehren sollte.

Als die Panzer nach Prag rollten, 68,
war ich über alle vier Ohren unglücklich verliebt
und hörte nichts.

Als die Mauer fiel
lag ich mit geschwollenem Hoden
fiebernd im Bett
und verschlief.

Also fragt mich nur nach früher.
Ich erinnere mich gut.
Zum Beispiel daran
was für ein beschissenes Gefühl das war
wieder mal ohne Sportzeug dazustehn.

Elisabeth Wesuls

Elisabeth Wesuls wird neue, bisher unveröffentlichte Texte lesen. Sie lebt und arbeitet als Autorin und Heilpraktikerin in Berlin. Sie ist mit Gerd Adloff verheiratet. 1985 erschien im Verlag Neues Leben das Poesiealbum 216. Veröffentlichungen u.a. in Lyrik der DDR, Hrsg. Heinz Ludwig Arnold und Hermann Korte; Vogelbühne, Hrsg. Dorothea von Törne; Die Wärme die Kälte des Körpers des Andern, Hrsg. Kurt Drawert und Ein Molotow-Cocktail auf fremder Bettkante, Hrsg. Peter Geist

NICHTS BLEIBT, WIE ES IST

Mein Vater steht an meiner Schwester
Gartentür, wie ein Bettler, sagt er
den Tränen nahe – dass
er anderen zur Last fallen muss.


Dann dieser Junge: Erhängt.
Sich selbst. Kein Platz
für ihn unterm Neonlicht
des Scheitel ziehenden Arbeitsmarkts.


Ich darf mir
was schenken lassen.
Aber wie denn.

So. 18. März 2018, 15 Uhr: Tobias Rank
ICH FÜHL MICH SO AUSGEDRÜCKT
Charmante Lieder. Klassisch, verliebt und müde.

Tobias Rank
Tobias Rank

Der Komponist und Pianist Tobias Rank hat Texte von Helmut Krausser, Thomas Kunst, Fritz Eckenga, Günter Kunert und Michael Lentz vertont.
Nicht wie gewohnt für andere Interpreten – diesmal singt Rank selbst und begleitet sich und seine Lieder am Klavier.
Literarische Chansons voller Schmermut, Melancholie, Witz und Übermut. Rebellisch und fein, abgebrüht und empfindlich, verliebt und müde. Eher leise als wirklich laut.

Du kennst das  (Thomas Kunst)

Es gibt Kaffee und Kuchen. Eintritt: 10 Euro.

***

Ich fühl mich so ausgedrückt
hab zwei Ratgeber intus
aber ich bin anders
vielleicht nur der Kaffee
ich belauere mich zähle mir vor komme kaum nach

Nackter Knochen
wo ist der Code mit der eingebauten Liebe
und wo ist sie eingebaut
wo ist das alles niedergeschrieben wie niedergeliebt
auf Bildern ist es so schön so still

Michael Lentz

Gefördert durch:

Lotto Brandenburg GmbH

 So. 18. Februar 2018, 15 Uhr: Gotische Knoten – Wilhelm Bartsch löst die nicht, sondern liest sie nur, nämlich neue, diesmal politisch sehr unkorrekte Gedichte und wird dabei gestört, nein eher gestärkt durch Schortie Scheumann an seiner Trompete

Am 18. Februar 2018 um 15 Uhr kommen Wilhelm Bartsch und Schortie Scheumann ins Lyrikhaus. Es gibt Kaffee und Kuchen. Der Eintritt beträgt 10 Euro.

Wilhelm Bartsch
Wilhelm Bartsch

Der Dichter Wilhelm Bartsch, geboren 1950 in Eberswalde und dort aufgewachsen, Verwandtschaft in Rosenbeck und Altenhof am Werbellinsee, ist vom Erscheinen eines Lyrikhauses in der Landschaft seiner Kindheit so fasziniert, dass er, seit vielen Jahren Hallenser, der heimatlichen Schorfheide einen Besuch abstattet, um im Lyrikhaus aus seinen neuesten Gedichten zu lesen. Als Überraschung hat er das zweite Heft der Edition Lyrikhaus im Gepäck, das sich mit seiner hiesigen Heimat beschäftigt. Sein Eberswalder Freund Steffen „Schortie“ Scheumann, bekannt als Schauspieler, wird ihn mit der Trompete begleiten und herausfordern.

Wilhelm Bartsch veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände (u.a. „Übungen im Joch“ 1986), Erzählungen und Romane. Er wurde u.a. mit dem  Brüder-Grimm-Preis und dem Wilhelm-Müller-Preis ausgezeichnet.

In der Einladung zu seiner legendären Reihe „Dichterleben“ im Brechthaus schrieb Richard Pietraß 2006 über Wilhelm Bartsch:

„Entdeckerlust und Sprachwucht kennzeichnen die Gedichte des gelernten Rinderzüchters und studierten Philosophen, der, ein hallescher Herr, seinen Steifnacken freiwillig ins Zackenjoch der Poesie beugt. Auf Achse, über Highways und higher ways nach Lappland und in die Tiefen des ausgepowerten Mansfelds, Deutschlands rotem, enthäutetem Bizeps, gibt er Geschichte Gesicht, nimmt er, samt seinen genudelten Lesern, ein Nadelbad in der Menge der Ereignisse.“ (zitiert nach „Dichterleben. Steckbriefe und Kußhände“, Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2016, S. 26 – mit freundlicher Genehmigung des Autors)

Steffen "Schortie" Scheumann
Steffen „Schortie“ Scheumann. Foto: Annemone Taake

Steffen Scheumann studierte Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin und Schauspielerei an der damals der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ angegliederten Rostocker Schauspielschule. Als Theaterschauspieler stand er unter anderem in Parchim, Berlin und Bochum auf der Bühne. Weiterhin erhielt er Rollen in Filmen (u.a. Sonnenallee und Grand Budapest Hotel) und arbeitet als Hörspielsprecher.

Auf seine Initiative geht der Neue Blumenplatz in Eberswalde zurück, so benannt in Anlehnung an das Gedicht Campo di Fiori des polnischen Literaturnobelpreisträgers von 1980 Czesław Miłosz, das die Verfolgung Intellektueller und die Gleichgültigkeit der Bevölkerung gegenüber den Verbrechen im Warschauer Ghetto thematisiert (auf dem Campo de’ Fiori [= Blumenplatz] in Rom wurde am 17. Februar 1600 der Philosoph, Dichter und Astronom Giordano Bruno als Ketzer verbrannt).

So. 21. Januar 2018, 15 Uhr: Buchpremiere „Das geflügelte Haus“ und Verlagsvorstellung Edition Petit Dresden

Richard Pietraß (l.) und Manfred Richter
Richard Pietraß (l.) und Manfred Richter

Am 21. Januar 2018 um 15 Uhr hat die erste Publikation der „Edition Lyrikhaus“ mit dem Titel „Das geflügelte Haus“ daselbst Premiere. Gleichzeitig stellen wir die Edition Petit aus Dresden vor. Es gibt Kaffee und Kuchen. Der Eintritt beträgt 10 Euro.

Das bibliophile Heft, das in einer nummerierten, handsignierten Auflage von 200 Exemplaren erscheint, enthält die Reden von Gisbert Amm und Richard Pietraß zur Eröffnung des Lyrikhauses am 21. Mai 2016 nebst der darin erwähnten Gedichte. So können alle, denen es nicht vergönnt war, dabei zu sein, nachträglich in die Stimmung des Eröffnungstages eintauchen. Die blaue Broschüre mit dem Titel „Das geflügelte Haus“ ist sozusagen die Geburtsurkunde des Lyrikhauses.

Produziert wurde das Heft im TypoStudio SchumacherGebler in Dresden, wo Manfred Richter die Edition Petit herausgibt, in der mehrere Lyrikbände erschienen sind, unter anderem Richard Pietraß‘ Liebesgedichte mit dem Titel „Lustwandel“. Pietraß wird aus diesem Band lesen. Weiterhin wird Michael Wüstefeld aus seinem ebenfalls in der Edition Petit erschienenen Buch „Fünfkirchen fünf vor zwölf“ lesen, einem Tagebuch aus dem  südungarischen Pécs / Fünfkirchen aus dem Jahr 2012.

Gisbert Amm wird Manfred Richter zu seiner verlegerischen Tätigkeit befragen.

Richard Pietraß. Foto: peter gesierich © xuru.eu
Richard Pietraß. Foto: peter gesierich © xuru.eu

Richard Pietraß, geboren 1946 in Lichtenstein / Sachsen, ist einer der wichtigen Dichter der mittleren DDR-Generation mit bedeutsamen Gedichtbänden wie „Notausgang“, „Freiheitsmuseum“ und „Spielball“. Er veröffentlichte nach einer Schweigepause nach der  Wende zahlreiche weitere Gedichtbände, übertrug vor und nach der Wende viele Dichter und Dichterinnen ins Deutsche (u.a. Apollinaire, Zwetajewa, Heaney und Tranströmer) und förderte als Lektor und Veranstalter über die Jahre etliche seiner Dichterkollegen weit über das gewöhnliche Maß hinaus. 1977-1979 gab er in der Nachfolge von Bernd Jentzsch bis zu seinem aus politischen Gründen erzwungenen Ausscheiden die legendäre Reihe „Poesiealbum“ heraus, damals im Verlag Neues Leben. Von 2009 bis 2012 betreute er die wieder aufgelegte Reihe dann noch einmal im Märkischen Verlag Wilhelmshorst. Von 1998 bis 2016 lud er insgesamt 125 Dichter und Dichterinnen zu seiner außergewöhnlichen Reihe „Dichterleben“ in das Berliner Brechthaus ein. Pietraß wurde u.a. mit der Ehrengabe der Schillerstiftung, dem Wilhelm-Müller-Preis und dem Erwin-Strittmatter-Preis geehrt.

 

Michael Wüstefeld
Michael Wüstefeld

Michael Wüstefeld, geboren 1951 in Dresden, war nach einem Ingenieursstudium bis 1991 als Technologe in einem Dresdner Ingenierbüro tätig. Nach dem Verlust dieser Kontinuität lebt er seit 1993 als freischaffender Autor und Kritiker in Dresden. 1987 erster Gedichtband „Heimsuchung“ im Aufbau-Verlag, 1990 zwei weitere Gedichtbände im gleichen Verlag. Seit 1993 etliche weitere Gedichtbände und Tagebücher. Walter-Hasenclever-Preis 1990.

Richard Pietraß schrieb über ihn in der Einladung zu seiner legendären Reihe „Dichterleben“ im Brechthaus im Jahr 2002:

„Wenige Jahre nach dem Feuertod Dresdens geboren, blieb Michael Wüstefeld seiner Stadt per Nabelschnur verbunden. Er rieb sich an ihr und nährte einen Flughunger, der ihn anfangs zu Ikarus-Gedichten, mit der Wende leibhaftig zu Traumplätzen führte, an denen er Federn ließ und sich weltsatte Verse an den Dichterhut heftete.“ (zitiert nach „Dichterleben. Steckbriefe und Kußhände“, Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2016, S. 17 – mit freundlicher Genehmigung des Autors)